Für viele beginnt der Sommer mit Freibad, Eis und Urlaub. Für Paul Schröder beginnt er ebenfalls mit Wasser – allerdings mit deutlich mehr Druck. Denn wenn in Erfurt die Biotonnen gereinigt werden, sitzt der 28-Jährige am Steuer des Waschfahrzeugs. Während der sommerlichen Reinigungssaison ist er dabei nicht nur Fahrer: Er koordiniert die Touren im laufenden Betrieb und sorgt gemeinsam mit dem Biotonnen-Waschteam der SWE Stadtwirtschaft dafür, dass alles möglichst reibungslos läuft.

Hauptsache Arbeit – und irgendwann Spaß am Lkw
Paul Schröder wurde 1998 in Erfurt geboren. Seine Ausbildung zum Berufskraftfahrer absolvierte er bei den Stadtwerken. Warum gerade dieser Beruf? Seine Antwort fällt typisch Paul aus: Eine Stelle war ausgeschrieben, sie war in der Nähe – und er wollte Geld verdienen.
Also bewarb er sich, wurde genommen und blieb nach seiner Ausbildung bei der SWE Stadtwirtschaft. Zunächst fuhr er vor allem Biotonnen-Touren.
Dass ihm das Lkw-Fahren einmal richtig Spaß machen würde, war damals noch nicht absehbar. Heute sieht er das anders: „Mittlerweile macht Lkw-Fahren Spaß.“

Vom Fahrer zum Koordinator des Waschteams
Vor etwa fünf Jahren kam die Biotonnenwäsche hinzu. Seitdem gehört Paul während der Reinigungssaison fest zum Waschteam. Inzwischen übernimmt er dabei auch eine wichtige koordinierende Rolle. Der grundsätzliche Tourenplan wird von den Tourenplanern gemeinsam mit dem Meisterbüro erstellt. Paul übernimmt anschließend das Feintuning für den praktischen Einsatz: Welche Straßen lassen sich sinnvoll miteinander verbinden? Wo muss ein Tankstopp eingeplant werden? Und wie lässt sich die Tour mit der verfügbaren Wassermenge möglichst effizient abarbeiten?
Das neue Kombifahrzeug erleichtert die Abläufe deutlich. Es leert die Biotonne und reinigt sie anschließend direkt vor Ort. Dafür kommen heißes Wasser und Hochdrucktechnik zum Einsatz. Das Schmutzwasser wird im Fahrzeug aufgefangen und anschließend separat entsorgt. Die Reinigung ist für alle gängigen Behältergrößen von 80 bis 1.100 Litern ausgelegt.
Beim Vorgängerfahrzeug war der Ablauf aufwendiger: Es konnte die Tonnen ausschließlich reinigen. Zuvor musste die Leerung durch ein herkömmliches Entsorgungsfahrzeug erfolgen. Die geleerte Tonne musste anschließend stehen bleiben, bis das Waschfahrzeug eintraf.
Mit dem neuen Kombifahrzeug reduziert sich der organisatorische Aufwand – gleichzeitig kommt es darauf an, den vorgegebenen Tourenplan im täglichen Einsatz möglichst gut umzusetzen.
„Ich kümmere mich um das Feintuning der Tour“,
erzählt Paul. Dabei stimmt er sich eng mit den zuständigen Kollegen ab und passt die Abläufe dort an, wo es im praktischen Einsatz notwendig ist.
Waschsaison im Sommer
Die Biotonnenwäsche ist eine saisonale Aufgabe und findet in den Sommermonaten über mehrere Wochen statt. Wenn die „Waschmaschine auf vier Rädern“ nicht im Einsatz ist, fährt Paul dort, wo gerade ein Berufskraftfahrer gebraucht wird. Während der Waschsaison liegt sein Schwerpunkt jedoch klar auf der Biotonnenreinigung.
Ist die Waschtour angenehmer als eine klassische Biotonnen-Tour? Paul bleibt bei dieser Frage zurückhaltend. Das Arbeiten mit Wasser und Schmutz bringt schließlich seine eigenen Herausforderungen mit sich – gerade im Hochsommer. Es wird warm, gelegentlich auch nass, und eine Biotonne hat nun einmal ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen.
Sein Fazit fällt entsprechend trocken aus:
„Da muss es ja einer machen.“
Vielleicht beschreibt genau dieser Satz Pauls Haltung zur Arbeit am besten. Er übernimmt, was gebraucht wird – ohne großes Aufheben, dafür zuverlässig und mit einem klaren Blick für das, was zu tun ist.

Mit 600 Millimetern auf Tierpirsch
Dafür reist er auch durch Deutschland und nach Österreich, wenn es irgendwo besonderen Nachwuchs zu sehen gibt. Seine Ausrüstung ist entsprechend spezialisiert: Mehrere Kameras gehören inzwischen zu seiner Sammlung, dazu ein Teleobjektiv mit 600 Millimetern Brennweite.
Was ihn an der Tierfotografie fasziniert? Es geht ihm nicht nur um das perfekte Bild. Paul möchte Tiere so fotografieren, dass ihre Persönlichkeit sichtbar wird – nicht als dekoratives Motiv, sondern als eigenständiges Wesen mit Charakter.
Vielleicht ist genau das der reizvolle Kontrast zu seinem Arbeitsalltag: Dort zählen die nächste Tonne, die nächste Straße und der nächste Tankstopp. Beim Fotografieren kann Paul sich Zeit nehmen, beobachten und auf den richtigen Moment warten.
Beides verlangt auf seine Weise Aufmerksamkeit und Geduld. Im Job sorgt Paul dafür, dass Abläufe funktionieren und jeder Handgriff sitzt. Hinter der Kamera entscheidet dagegen oft der eine Augenblick, in dem alles zusammenkommt.
Und so unterschiedlich beide Welten auch sind – sie passen zu ihm: konzentriert, unaufgeregt und mit einem guten Blick fürs Detail.
Für die Erfurterinnen und Erfurter bleibt davon vor allem eines sichtbar: eine saubere Biotonne. Dank des neuen Kombifahrzeugs geschieht die Reinigung direkt am regulären Leerungstag – unkompliziert und ohne zusätzlichen Termin.
Text: Ivo Dierbach
Fotos: Ivo Dierbach, Jacob Schröter

