Die Kehrmaschine steht quasi schon in den Startlöchern, um die Spuren des Weihnachtsmarkts wegzuputzen. Morgen endet der Markt. Schon jetzt ist klar, es kamen noch mehr Besucher als im Vorjahr. Aber was haben die Stadtwerke eigentlich mit dem großen Fest auf dem Domplatz zu tun? Jasmin, unsere Praktikantin, hat Sven Kaestner, Leiter der Abteilung Märkte und Stadtfeste, auf dem Markt besucht.

„Ohne die Stadtwerke würde es den Weihnachtsmarkt so nicht geben“, sagt Sven Kaestner und ich kann es fast nicht glauben. Wir machen uns auf zum Rundgang. Beim Apfelglüh – natürlich alkoholfrei – kommt er ins Plaudern. Der Strom kommt von den Stadtwerken. Der wird quasi an jeder Ecke benötigt. Sei es zum Erhitzen des Glühweins oder für die Zubereitung der süßen und deftigen Leckereien. Immerhin 2,5 Megawatt (Anschlusswert) stehen am Domplatz zur Verfügung. Dafür gibt es unterirdische Trafostationen. Freitag- oder Samstagabend, wenn der Weihnachtsmarkt besonders viele Besucher anlockt, liegt der Verbrauch bei 2,2 Megawatt. „Allein unter dem Domplatz liegen drei Kilometer Kabel und es gibt 14 verschiedene Stromverteilerstellen. Jedes Jahr übernimmt eine Elektrofirma die Verlegung der Kabel auf dem Markt“, erklärte Sven Kaestner. Die Rechnung für den Stromverbrauch erhalten die Händler nach dem Abbau am 22. Dezember. Jeder Stand hat eine eigene Zählereinrichtung, um den Verbrauch zu ermitteln.
Auch das Weihnachtsrad braucht jede Menge Strom. Vier Fahrmotoren á 17,5 kW sorgen für die perfekte Umdrehung. „Pro Stunde würde das Riesenrad 70 kW Strom verbrauchen. Aber es fährt nie eine ganze Stunde durch, weil die Leute immer ein- und aussteigen“ erklärt mir Karsten Poeplau, Marketingmitarbeiter bei der SWE Energie GmbH, im Nachhinein. 72 Sekunden und 1,4 kW/h Strom müsste man für eine Runde einplanen. Zusätzlich wurden ca. 5 kW/h Strom für den LED Lichtschmuck und ca. 10 kW/h Strom für farbige Scheinwerfer des Weihnachtsrads verbraucht.

Die Pyramide am Eingang, die sich pro Minute dreimal dreht, verzehrt 0,0045 kW/h Strom pro Umdrehung (in der Stunde also 0,8 kW/h). Zum Vergleich: Mit einer Kilowattstunde Strom kann man zum Beispiel eine Maschine Wäsche waschen oder 133 Scheiben Weißbrot toasten.

Natürlich spielt auch die Ordnung und Sauberkeit auf einem Weihnachtsmarkt eine wichtige Rolle. Hier kommen unsere Jungs der Stadtwirtschaft ins Spiel. Die Leerung der Papierkörbe erfolgt zweimal täglich. Zur täglichen Prozedur gehört außerdem die Säuberung aller Wege. Auch der Abfall neben den Containern muss entsorgt werden. Die Bedienung der Presscontainer und die Bewirtschaftung des Entsorgungsstützpunkts erfolgt ebenfalls zwei Mal täglich (morgens und am Abend nach der Marktschließung).
Durchschnittlich kommen zum Weihnachtsmarkt ca. 46 Tonnen Marktabfälle, 1,7 Tonnen Kunststoffabfälle (Glühweinbehälter) und 11 Tonnen Kartonagen zusammen.
Auch die ThüWa ThüringenWasser GmbH, Erfurts Wasserversorger, hat ihren Beitrag zum Erfurter Weihnachtsmarkt geleistet. Das Tochterunternehmen der Stadtwerke Erfurt hat auf dem Domplatz an fünf verschiedenen Stellen Wasser zur Verfügung gestellt. Natürlich hat sich auch die EVAG auf den großen Andrang in der Adventszeit eingestellt und ihr Verkehrsangebot erweitert. „In diesem Jahr kamen noch mehr Gäste als in den Vorjahren“, erzählt mir Sven Kaestner.
Auch wenn der Weihnachtsmarkt noch läuft, haben die Vorbereitungen für das nächste Jahr schon begonnen. Erste Unterlagen sind vorbereitet, Flyer für die internationale Tourismusbörse werden bereits erstellt. Bewerbungsschluss für die Stände wird vermutlich wieder der 30. April sein.
In diesem Jahr gab es 294 Bewerber. Platz war aber nur für 203 Stände. Die Stände werden nach ihrer Attraktivität ausgewählt. Dafür gibt es ein Punktesystem. Beispielsweise werden für die Optik der Hütte (Schmuck und Beleuchtung), für die Warenpräsentation oder die Sortimentsreinheit Punkte vergeben werden.
Wenn die ersten Erfurter am 24. Dezember schon unter dem Weihnachtsbaum sitzen, zieht die Kehrmaschine ihre Kreise. Bis ca. 16 Uhr sollen bestenfalls alle Hütten und Fahrgeschäfte verschwunden sein. Märchenwald, Kinderbackstube und Pyramide stehen länger. Das ist der Zeitpunkt, an dem für die 14 Mitarbeiter der Abteilung Märkte und Stadtfeste nach all dem Stress der Vorweihnachtszeit langsam wieder Normalität einkehrt.
Für die Entsorgung des über 20 Meter hohen und 85 Jahre alten Weihnachtsbaums sind die Mitarbeiter des städtischen Garten- und Friedhofsamtes zuständig. Der Baum wird nach dem Abbau geschreddert.