Heute steht mein zweiter Auftrag auf dem Plan: die Leitwarte der GuD. Für alle die nicht wissen, was das ist: Die Gas- und Dampfturbinenanlage der Stadtwerke Erfurt sorgt dafür, dass wir warmes Wasser und Strom haben. Schon von der Treppe aus konnte ich die Leitwarte sehen. Viele bunt blinkende Monitore waren durch die Glasfassade erkennbar. Lutz Börner, Bereichsmeister für Kraftwerktechnik, erwartete mich schon.

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Leitwarte der GuD

Da ich mich gut vorbereitet hatte, legte ich sofort mit meinen Fragen los. Doch nach kurzer Zeit merkte ich, dass ich eigentlich so gar keine Ahnung von diesem Thema hatte. In meiner Schulzeit nutzte ich die erste Gelegenheit und wählte Physik ab. Auch sonst hatte ich mich nie in dieser Richtung weitergebildet. Aus diesem Grund schlug Lutz vor, mir zunächst allgemein die Prozesse in der GuD zu erklären. Und so zeichnete er schnell in groben Zügen, was eigentlich passieren muss, damit meine Heizung warm wird und Strom aus meiner Steckdose kommt. Mit vielen alltäglichen Beispielen und Vergleichen gelang es ihm, mir verständlich zu erklären, was in den drei Gasturbinen und der Dampfturbine passiert. Die Gasturbinen erzeugen 80 Megawatt und die Dampfturbine 32 Megawatt Strom. Ich wünschte, mein Physiklehrer hätte das früher mal nur halb so spannend erklärt.

Die Leitwarte ist rund um die Uhr besetzt. Jeder Kollege arbeitet mindestens zwei Wochenenden im Monat in 12-Stunden-Schichten. Denn es sollten immer mindestens drei Mitarbeiter auf der Warte sein: Schichtleiter, Schichtmeister und Maschinist bzw. Obermaschinist.

Schichtleiter Gerd erklärt mir, dass die Leitwarte ihren Namen trägt, weil man hier auf ungeplante Ereignisse wartet, um dann darauf reagieren zu können. Zu Gerds Aufgaben gehört die Erstellung der Fahrpläne für den Strom- und den Gasbezug. Gleichzeitig muss er das komplette Fernwärmenetz überwachen und nimmt Störungen an. Das bedeutet, er tritt direkt in Kontakt mit den Kunden. Tritt eine Störung ein, muss  Gerd sie sofort bei seinem unmittelbaren Vorgesetzten melden und weitere Meldeketten einhalten. Erst dann geht es an die Beseitigung der Störung. Meist sind das Reparaturen. Gerd überwacht aber auch die Dampfnetze der Großkunden.  Dazu gehören die Milchwerke Thüringen GmbH und die Erfurter Teigwaren GmbH. Gerd hat insgesamt acht Bildschirme, die er im Auge behalten muss, er sieht zum Beispiel die Stromeigenerzeugung, den Verbrauch (Strom: tagsüber 100 MWh und nachts 85 MWh und die Fernwärmeauskopplung tagsüber 180 MW und nachts 120 MW) und die Umformerstationen (in diesen wird die Wärme, die von den Stadtwerken geliefert wird, durch Wärmeaustausch auf eine niedrigere Temperatur speziell für die Heizkörper gebracht).

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Schichtleiter Gerd bei seiner Arbeit

Und schon ist Uwe dran. Er ist der Schichtmeister. Gemeinsam mit dem Maschinisten bzw. Obermaschinist (heute ist das Holger) überwacht er 16 Monitore, um zu garantieren, dass die Maschinen ordnungsgemäß funktionieren. Dazu gehört auch ein Kontrollgang. Die Anlage wird regelmäßig auf Undichtigkeiten überprüft, ob beispielsweise Wasser oder Dampf austritt. Sollte mal etwas kaputtgehen, ist Uwe für die Überwachung und Einweisung der Fremdkräfte zuständig. Dazu gehören Elektriker, Schlosser und Bremser. Letztere sind Mechaniker, die das Prozessleitsystem überwachen und kontrollieren. Uwe weiß immer ganz genau, wer gerade auf dem Gelände bzw. in der Anlage ist. Er stellt auch die Erlaubnisscheine aus, z.B. für Schweißer. „Die Arbeit sieht vielleicht von außen langweilig aus, aber das ist sie nicht. Man ist immer gefordert, selbst mitzudenken, Abläufe zu überprüfen, ob sie sinnvoll oder ökonomisch sind.“ Eines ist mir an dem heutigen Tag klar geworden: Diese Männer tragen ganz schön viel Verantwortung, besonders jetzt im Winter.

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Schichtmeister Uwe bei seiner Tätigkeit in der GuD