Dieses lebendige Bild des Angers stammt vom Anfang der 70er Jahre. Was es darauf alles zu entdecken gibt!
Im Vordergrund steht ein Sprengwagen der Stadtwirtschaft, zu dieser Zeit war es noch üblich an heißen Sommertagen den Staub auf den Straßen zu binden. Über den Anger fließt noch-ampelgeregelt- der Kraftfahrzeugverkehr. Unser Verkehrsturm ist zu sehen und ein Verkehrszeichen, unterhalb des Turmes im Bild, verbietet das Befahren mit Pferdefuhrwerken.
Man beachte auch die Verkehrszeichenkombination einer Hauptstraße, die der Straßenbahn die Vorfahrt einzuräumen hat, gängige Praxis bis zum Ende der DDR und ab Mitte der 70er Jahre generelle Vorschrift ohne Verkehrszeichen…
Im Hintergrund biegt gerade ein Vorkriegsstraßenbahnzug bei der Überführung vom Depot in der Nordhäuser Straße zum Betriebshof in der damaligen Karl-Marx-Allee ab. Er wird am Platz der DSF, der heute wieder Hirschgarten heißt, durch die Wendeschleife für die Einsatzwagen der damaligen Linie 1E drehen und in wenigen Minuten nach diesem Bild erneut das Angerkreuz passieren.
Auf der Linie 1 sind noch die vertrauten Gotha-3-Wagenzüge zu sehen und der Oberleitungsmast in der Mitte, der der komplizierten Aufhängung der Obus-Fahrleitung der hier befindlichen Wendeschleife dient, verdeckt einen Wartburg-Camping, der im Volksmund wegen seiner gebogenen Oberlichtscheiben Schneewittchensarg genannt wurde.
In wenigen Jahren wird die Umgestaltung des Angers zur Fußgängerzone beginnen und heute kann man sich kaum noch vorstellen, dass der Anger einmal auch dem Kraftfahrzeugverkehr diente.
Der Autor dieses Beitrags ist Michael Nitschke, Betriebsleiter der EVAG. Für unseren Blog kramt er immer mal wieder im Archiv und stellt seine Funde vor.