Sie wissen ja, dass es immer mal ganz spannend ist, in alten Bilderkisten zu wühlen. Und so fiel uns dieses Bild in die Hände, dessen Einordnung nicht auf Anhieb gelingen dürfte. Etwa 1890 entstanden sehen wir über die Schlösserbrücke hinweg in die Schlösserstraße hinein, die Gasse links ist der Junkersand. Die Pferdebahn hinterlässt einen ziemlich dynamischen Eindruck, der aber nicht täuschen sollte. Die Belichtungszeiten der damaligen Fototechnik führte leicht zu Wacklern.

Die Häuser links von der Pferdebahn werden in wenigen Jahren dem Kaufhaus Reibstein weichen, das 1944 zerstört wurde.

Erst nach der Wende wurde das Grundstück wieder bebaut und ist als Kaufhaus Breuninger sicher jedem ein Begriff. Das Haus rechts am Bildrand ist ebenso interessant: Es steht auf einer Insel in der Gera und überlebte ebenfalls den 2. Weltkrieg nicht. Diese Kriegszerstörungen, die übrigens auch die Neue Mühle in Mitleidenschaft zogen, ermöglichten aber nach dem Krieg die Schlösserstraße und die Brücke etwas zu verbreitern, so wie wir sie heute kennen. Erinnern Sie sich noch an den zwischenzeitlichen Namen der Straße? Hermann-Jahn-Straße….

Dieses Bild zeigt die gleiche Stelle 10 Jahre später. Inzwischen gibt es die Fahrleitung der Straßenbahn, aber das Kaufhaus noch nicht. Rechts im Bild das erwähnte „Inselhaus“, vor dem sich übrigens eine Haltestelle der Straßenbahn befand.
Und hier der traurige Anblick des Inselhauses im Februar 1945. Es existiert nicht mehr… Zugleich bekommt man einen Eindruck, wie das Umfeld der Neuen Mühle und des heutigen Cafes Baldus am Ende des Krieges ausgesehen hat. Den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren des Wiederaufbaus sei an dieser Stelle gedacht. Und wir sollten auch die Menschen, allen voran die Trümmerfrauen, nicht vergessen.

Text: Michael Nitschke, Betriebsleiter der EVAG
Fotos: Archiv EVAG