Zwei besondere Spielorte machen die Stadt zum Abenteuer: Thüringens größter Spielplatz im egapark und die Spielbereiche der nördlichen Gera-Aue
Wenn Kinder lachen, klingt eine Stadt anders. Heller. Leichter. Lebendiger. In Erfurt gibt es ganz viele Orte des Lachens – die 136 öffentlichen Spielplätze der Stadt.
An zwei Orten ist das Toben und Lachen besonders lebendig: auf dem großen Spielplatz im egapark, dem größten in Thüringen, und im weitläufigen Spielplatzensemble in der nördlichen Gera-Aue. Zwei völlig unterschiedliche Welten – und doch beide kleine Paradiese für Familien.
Schon am Eingang des egaparks wird klar: Hier wartet kein gewöhnlicher Spielplatz. Hinter Blumenbeeten, alten Bäumen und großzügigen Wegen öffnet sich das „GärtnerReich“, eine fantasievolle Spiellandschaft mitten im Grünen. Kinder rennen sofort los. Eltern versuchen noch, den Überblick zu behalten. Vergeblich.
Da steht ein riesiger Kletterrhabarber. Daneben schwingt eine „Madenschaukel“ durch die Luft. Aus einer überdimensionalen Erdbeer-Kaktus-Rutsche sausen Kinder Richtung Sandfläche. Alles wirkt ein wenig verrückt – und genau das macht den Charme aus. Der Spielplatz gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Orten des egaparks und wurde zur Bundesgartenschau 2021 noch einmal umfangreich modernisiert.
Überall gibt es etwas zu entdecken. Wasserläufe glitzern in der Sonne, kleine Hände bauen Dämme aus Sand und Matsch. Im Hintergrund tuckert die egapark-Bahn vorbei, während vom Kinderbauernhof neugierige Ziegen herüberschauen. Es riecht nach warmem Holz, Sommergras und Sonnencreme. Wer hierherkommt, merkt schnell: Kinder spielen nicht einfach nur. Sie verschwinden für ein paar Stunden in der kunterbunten egawelt.
Dabei ist der Spielplatz erstaunlich liebevoll gestaltet. Viele Geräte greifen die Garten- und Pflanzenwelt des Parks auf. Statt greller Plastikburgen dominieren natürliche Materialien, organische Formen und viel Grün. Selbst Erwachsene bleiben plötzlich stehen und fühlen sich in ihre Kindheit zurückversetzt.
Doch nochmal von vorne: Am Eingang wartet das Paradies für die allermeisten Kinder – und der Alptraum mancher Eltern. Der gewaltige Matschplatz, gespeist mit bestem Sand und sauberem Trinkwasser. Nur wenige Meter entfernt wartet das nächste Wasserparadies, das große Planschbecken inklusive Wasserrutsche (lang und breit!), das auch manche Eltern unter dem Vorwand, auf die lieben Kleinen aufzupassen, gerne zur Abkühlung nutzen. Platz zum Liegen gibt es reichlich, auch schattig – falls gewünscht.
Natürlich wird das Wasser regelmäßig kontrolliert, auch die unzähligen Spielgeräte, egal ob aus Holz, Metall oder Plaste, werden geprüft. Vom TÜV und täglich von den Mitarbeitern des Kinderparadieses – die müssen die Geräte bespielen, um zu sehen und zu spüren, ob alles passt.
Und dann gibt es noch zwei Dinge, die die ega als Spielewelt einzigartig machen: der phantastische Wissenswald (zum Erkunden und Ausprobieren) und die Tiere in der Nachbarschaft. Da wären zum Beispiel die Ziegen, die im Sommer den Kinderbauernhof (er ist um die Ecke) bevölkern, oder auch die Steinbacher Kampfgänse, die manchmal den Spielplatz erkunden. Diese Gänse übrigens sind ganz anders, als ihr Name vermuten lässt – sie haben nur einen großen Schnabel und schnattern viel.
Bei bestem Sommerwetter lässt es sich mit Kindern und ausreichend Proviant den ganzen Tag auf dem großen Spielplatz aushalten, für die Es-ist-bewölkt-Variante reicht der Vormittag.
Ganz anders präsentiert sich die nördliche Gera-Aue.
Wo früher eher ungenutzte Flächen lagen, entstand zur BUGA 2021 eine moderne Parklandschaft entlang des Flusses. Breite Wege ziehen sich durch Wiesen und Auen. Radfahrer kreuzen Familien mit Kinderwagen. Und mittendrin liegen die neuen Spielbereiche – offen, weitläufig und voller Bewegung.
Hier wirkt alles luftig. Weniger Märchenwelt, mehr Abenteuerlandschaft. Kinder hangeln über lange Kletterstrecken, balancieren auf Holzstegen oder jagen über große Freiflächen. Manche Spielgeräte erinnern fast an kleine Kunstwerke.
Im Nordpark lockt die große Skateranlage (und natürlich das Nordbad) und daneben ein Spielplatz, auf dem sich das vielleicht schönste Baumhaus Thüringens befindet – mit mehreren Etagen, echten Bäumen als Stämmen und gewaltigen Rindenstücken als Abdeckung. Schaukeln und Rutschen inklusive.
Weiter Richtung Norden, immer an der Gera entlang, kommt die Familie schließlich ans Klärchen, die ehemalige Kläranlage, deren Halbrund sich zur Gera hin öffnet. Liegeflächen auf gepflegten Rasenflächen ohne Ende, Großschaukeln und Volleyballplatz in Steinwurfnähe. Richtung Norden lockt erst der Spielplatz „Flaschenpost“, 500 Meter weiter das nächste Spielparadies, dann der Auenteich, im Anschluss erst etwas für kleinere Menschen, dann Riesenschaukeln und eine gewaltige Seilrutsche. Und schließlich warten in Gispersleben ein Trampolin und ein großer Spielplatz mit Holzgeräten.
Besonders an warmen Tagen entfaltet die Gera-Aue ihren eigenen Zauber. Familien sitzen auf den Wiesen, Jugendliche liegen am Ufer, Kinder laufen barfuß durchs Wasser. Die Stadt scheint plötzlich weit weg zu sein. Und doch liegt alles mitten in Erfurt.
Gerade dieser Kontrast macht beide Orte so spannend. Der egapark-Spielplatz ist wie ein großes**,** fantasievolles Abenteuerbuch voller Figuren, Farben und Überraschungen – inklusive Besuch in Thüringens schönstem und größtem Garten. Die Gera-Aue dagegen fühlt sich an wie ein Sommertag am Wasser – offen und entspannt.
Vielleicht erzählen diese beiden Orte auch etwas über die Stadt selbst. Erfurt zeigt hier zwei Gesichter: das verspielte, kunterbunte und traditionsreiche auf der einen Seite und das moderne, naturnahe auf der anderen. Für Kinder ist das am Ende allerdings ziemlich egal. Sie wollen klettern, matschen, rennen, entdecken.
Und genau dafür sind diese beiden Spielplätze perfekt.
Bilder: Jacob Schröter
