Essen mit Kindern oder warum Spielplätze oft das bessere Menü sind

in
Sommerjournal 2026

Es beginnt, wie es immer beginnt: mit der leisen Hoffnung, dass es diesmal anders läuft. Dass alle sitzen bleiben. Dass das Essen warm gegessen wird. Dass der Satz „Jetzt bleib doch mal kurz hier“ heute einfach nicht nötig ist.
Fünf Minuten später ist klar: Das wird wieder nichts.
Ein Stuhl scharrt, ein Blick wandert, dann der entscheidende Moment – das Kind hat etwas entdeckt. Nicht die Kinderkarte, nicht die Pommes. Sondern dahinten, halb versteckt hinter ein paar Büschen: eine Schaukel, ein Klettergerüst, ein kleines Stück Freiheit.

Ich hatte mir das jedenfalls etwas anders vorgestellt. Ein entspannter Tag zusammen mit meiner Tochter, acht Jahre alt, und dem Sohn meiner Freundin, neun. Wir zwei Mütter, zwei Kinder, ein bisschen reden, lecker essen, ein bisschen Alltag vergessen. Ohne große Aufregung. Ein Plan, der im Kopf ziemlich gut aussah – und sich im egapark Erfurt ziemlich schnell in etwas anderes verwandelte.
Denn Thüringens größter Spielplatz ist nicht einfach eine Ergänzung zum Mittagessen. Er ist der eigentliche Mittelpunkt. Kaum sitzen wir vor dem Rundbau, sind die Kinder auch schon unterwegs. Wir Erwachsenen bleiben zurück – mit Tellern vor uns, die mal kurz interessant sind und dann wieder nicht. Mit Gesprächen, die in kleinen Etappen stattfinden, unterbrochen von Blicken Richtung Hüpfkissen. Und mit diesem leisen inneren Reflex, trotzdem alles gleichzeitig im Blick behalten zu wollen.

„Ich bin gleich wieder da!“ wird zur Standardformel dieses Nachmittags.

Und irgendwann passiert etwas, womit ich nicht gerechnet habe: Ich höre auf, dagegen anzukämpfen. Ich zähle nicht mehr mit, wie oft sie losrennen oder wie lange sie wegbleiben. Vor allem höre ich auf, darüber nachzudenken, ob wir gerade „richtig“ miteinander essen. Denn sie kommen ja wieder.

Verschwitzt, außer Atem, mit Geschichten von irgendetwas, das dringend erzählt werden muss, bevor sie direkt wieder losziehen. Und wir? Wir sitzen inzwischen auf einer Bank, trinken unseren Kaffee halb warm und merken plötzlich: Es funktioniert trotzdem. Vielleicht sogar gerade deshalb.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Erkenntnis dieses Nachmittags: Dass gemeinsame Zeit nicht immer bedeutet, dauerhaft am selben Tisch zu sitzen. Dass es Orte gibt, an denen niemand permanent beschäftigt, beruhigt oder organisiert werden muss. Orte, an denen Kinder einfach Kinder sein dürfen – und Erwachsene für einen Moment aufhören können, alles steuern zu wollen.

Und genau diese Orte bleiben am Ende in Erinnerung. Nicht wegen der Pommes oder der Malstifte auf dem Tisch – sondern weil dort alle etwas von dem Nachmittag hatten.

Wir haben deshalb ein paar Orte in Erfurt gesammelt, bei denen genau das funktioniert: essen gehen, ohne permanent „Sitz bitte still“ sagen zu müssen.

Für euch von uns getestet

Egapark Erfurt

  • Gothaer Straße 38, 99094 Erfurt, egapark-erfurt.de
  • Thüringens größter Spielplatz mit Matschstraße und Planschbecken, Kinderbauernhof und mehr – dazu gastronomische Angebote von Bratwurst bis Nudeln

Waldhaus Erfurt

  • Rhodaer Chaussee 12, 99094 Erfurt, waldhaus-erfurt.de
  • Biergarten, Pizza und mehr, Spielplatz direkt vor der Nase, Tiergehege um die Ecke, Eltern haben alles im Blick.

Kressepark Erfurt

  • Motzstraße 8, 99094 Erfurt, kressepark-erfurt.de
  • Streichelzoo trifft Piratenschiff, Snack oder Hauptspeise, Essen wird Nebensache zwischen Entdeckungsrunden.

Espach Café & Restaurant

  • Alfred-Hess-Straße 36a, 99094 Erfurt, espachcafe.de
  • Für Frühstücker, für Mittagsmacher und für Abendgäste, Terrasse mit direktem Blick auf den Spielplatz, Überblick ohne Aufstehen.

Café Pony

  • Auenstraße 38d, 99089 Erfurt (Gerauaue am „Klärchen“)
  • Kaffee, Softeis, Waffeln und mehr, dazu schaukeln, toben und Ponys gucken.

Gasthof Schloss Hubertus Erfurt

  • Arnstädter Chaussee 9, 99096 Erfurt, gasthof-schloss-hubertus.de
  • Thüringer Küche mit viel Platz drumherum, Kinder verschwinden auf dem großen Spielplatz, während „die Großen“ in Ruhe die Leckereien genießen.

Autorin: Maria Gimpel

Illustration: Ute Martens

Fotograf: Ivo Dierbach

Tags :

Weiteres zum Thema: