Künstliche Intelligenz unterstützt den Schutz von Wasserressourcen

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Erfurts Wasserversorger entwickelt mit vorhandener Technik und bereits genutzten IT-Lösungen ein innovatives Verfahren zur Suche von Schleichverlusten

Wie schützen wir unsere Wasserressourcen, wenn sich der Klimawandel mit all seinen Folgen manifestiert: Hitzesommer mit Starkregen, den der ausgetrocknete Boden nicht aufnehmen kann, niederschlagsarme Herbst- und Wintermonate, in denen sich Grundwasser und Talsperren nicht ausreichend regenerieren?

Lucas Bohm, Monteur im Netzbetrieb (Bild oben) bereitet die Messungen vor. Janosch Roos (Bild links) zeichnet im Plan die bereits gemessenen Bereiche ein

Mögliche Strategien, um die Wasserversorgung für Erfurt und das Umland auch künftig sicher und nachhaltig zu gestalten, daran arbeitet Erfurts Wasserversorger, die ThüWa ThüringenWasser GmbH. Dazu gehört auch die Minimierung von Schleichverlusten im Versorgungsnetz. Water Loss Management (WLM) ist der Schlüsselbegriff dafür. Bisher wurde mit aufwendigen regelmäßigen Messungen im Netz auf Basis von Korrelationsmessverfahren, einer Wechselbeziehung verschiedener Messwerte, nach möglichen Verlusten gesucht. Künftig sollen vorhandene Technologien und Daten in einem System zusammengeführt werden und mit Hilfe von Rechenmodellen und Künstlicher Intelligenz die potenzielle Schadstelle ermittelt werden. Das Verfahren existiert nicht nur am Schreibtisch, sondern befindet sich bereits in der Testphase. „Das Wasser, was wir aus unseren Grundwasservorkommen gewinnen oder aus der Ohratalsperre von der Thüringer Fernwasserversorgung geliefert bekommen, wollen wir möglichst verlustarm nutzen. So schützen wir die natürlichen Wasserressourcen am besten“, weiß Susanne Kaiser. Mit knapp 10 Prozent Wasserverlusten kann die ThüWa auf eine geringe Prozentzahl im Kreis der Wasserversorger verweisen. In Summe sind das aber dennoch knapp 2,9 Mio. Kubikmeter Wasser, die aufgrund von unsichtbaren Schäden am unterirdisch verlegten Wasserleitungsnetz pro Jahr im Boden versickern. „Das Wasser ist nicht verloren und gelangt wieder in den Wasserkreislauf, doch aus wirtschaftlicher Sicht und aus Gründen der nachhaltigen Nutzung wollen wir diese Verluste weiter reduzieren“, erklärt die ThüWa-Chefin das Pilotprojekt.

Bisher wurden mit zwei Messwagen, die unterirdische Schäden ermitteln können, regelmäßig verschiedene Netzabschnitte systematisch abgefahren. Dies ist in einem so großen Versorgungsgebiet mit einem hohen Personalund Zeiteinsatz verbunden. Die Trefferquote beim Auffinden von Rohrschäden ist nicht optimal. Natürliche Gewässer und Fremdgeräusche z. B. durch den Verkehr stören die Messungen.

enutzten IT-Systemen ein effizientes Verfahren der Rohrnetzschadenssuche erstellen? Die ThüWa-Experten entschieden sich für Marbach als Testgebiet. Die vorhandenen Zähler geben Auskunft zu den ins Netz eingespeisten Wassermengen und den entnommenen Verbrauchsmengen. „Dann werden durch Rechenmodelle aus diesen Daten, dem Alter und Zustand der Leitungsabschnitte sowie der bisherigen Havariehäufigkeit besonders schadensanfällige Bereiche identifiziert. Diese eingegrenzten Gebiete können dann per Messwagen überprüft werden. Ein Schaden wird so schneller geortet, bevor er größere Ausmaße annimmt und Versorgungseinschränkungen erzeugt. Reparaturen mit Schachtarbeiten sind so auch zeitlich besser zu planen und abzustimmen. Das ermöglicht einen gezielteren Personal- und Technikeinsatz“, erklärt Susanne Kaiser die Vorteile der neuen Lösung. Das Verfahren hat sich im Testgebiet Marbach bewährt und wird in den kommenden Jahren auf weitere Bereiche des großflächigen Netzes in Erfurt ausgedehnt. Zusätzlich soll durch den Einsatz künstlicher Intelligenz das WLM-System noch verbessert werden, um die Schadstellen noch genauer eingrenzen zu können.

Das ThüWa-Projekt ist in die Zukunft gedacht und entspricht den Vorgaben der Nationale Wasserstrategie und des dazugehörigen Aktionsprogrammes. Beides legt die Grundlage für ein zukunftsfähiges Management unserer Wasserressourcen und den Schutz unserer Gewässer.

Christine Karpe (Text) Jacob Schröter Fotos)

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