Immer mehr Störche bleiben im Winter in Erfurt. Früher sind fast alle Störche im Herbst nach Afrika geflogen. Heute überwintern einige sogar auf der Müllkippe in Erfurt. Sind die Vögel faul geworden?
Nein. Das hat mit Faulheit nichts zu tun. Vielmehr sind die Störche ziemlich schlau. Denn so ein langer Flug bis nach Südafrika ist sehr anstrengend und gefährlich. Auf dem Zug können Störche verhungern, verdursten oder durch Unwetter und Stromleitungen sterben. Wenn sie dagegen in Thüringen bleiben, sparen sie viel Energie und vermeiden diese Gefahren. Außerdem haben Störche, die hier überwintern, im Frühling einen Vorteil. Sie sind schon vor Ort und können ihre Nester früher besetzen.
Der Baggerfahrer Patrick sieht die Störche jeden Tag. Er sagt, auf der Deponie in Erfurt überwintern Störche schon seit vielen Jahren. Und es hat sich herumgesprochen. Denn es werden immer mehr, sagt Patrick. Im vergangenen Jahr hat er einmal 16 Störche gezählt. Und nicht nur Störche. Auch Möwen hat er hier schon gesehen. Und viele Rabenvögel gibt es hier.
Sie alle finden auf der Deponie einen reich gedeckten Tisch. Jedes Jahr werden auf der Deponie rund 22.000 Tonnen Grünabfälle angeliefert und zu Kompost verarbeitet. Kompost ist eine ganz besondere Erde, in der unglaublich viele Nährstoffe stecken. Das ist für Pflanzen so ähnlich wie gesundes Essen oder Vitamine für uns Menschen. In dieser Erde finden sich auch im Winter viele Würmer, Essensreste, Insekten oder Mäuse. All das fressen Störche gern.
Und wenn sich auf der Deponie der Kompost zersetzt, entsteht eine behagliche Wärme, die von den Haufen aufsteigt. Diese natürliche Heizung lockt die Störche an, die sich dort an kalten Tagen auf dem Kompost niederlassen, um sich gemeinsam die Füße zu wärmen.
Aber auf einer Deponie lauern auch Gefahren. Denn Störche fressen liebend gerne Regenwürmer. Auf dem Müll liegen aber oft auch Gummibänder. Diese sehen für den Storch genauso aus wie Würmer. Er frisst sie oder bringt sie seinen Kindern im Nest. Das Gummi kann der Storch aber nicht verdauen. Es bleibt im Magen liegen und wird zu einem harten Klumpen. Frisst er zu viel davon, kann der Storch daran sterben.
Wenn du den Tieren helfen willst – sei schlau wie ein Storch und wirf Gummibänder niemals in den Biomüll oder auf den Kompost.
Fotos: Jacob Schröter

