Mit Herz und Omas Rezepten

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JOURNAL Frühling 2026

Dienstags ab 12 Uhr wird beim Christlichen Verein Junger Menschen im alten Pfarrhaus neben der Lutherkirche gekocht. Dann greift Uwe zur Kochschürze, sichtet die von der Erfurter Tafel gelieferten Lebensmittel und bespricht sich mit den anderen drei oder vier freiwilligen Helfern, was auf den Speiseplan kommt.

Über den Kirchenvorstand oder die Ehrenamtsagentur haben sie alle den Weg hierher gefunden und sind geblieben. Aus verschiedenen Gründen stehen sie nicht im Berufsleben und können so mittags mit der Arbeit starten. Den Kochlöffel schwingen die Ehrenamtlichen nicht für sich, sondern für Bedürftige in Erfurt. 30 bis 50 Portionen werden in der engen Küche in großen Töpfen auf dem Herd zubereitet, der eigentlich nur Familiengröße hat. 

Heute sind Kartoffeln, Zwiebeln, Paprika, Rosenkohl, Lauch und Champignons angeliefert worden. Nach kurzem Blick über die Vorräte schlägt Uwe vor: „Heute gibt es Kartoffelsuppe.“ Zustimmendes Nicken und Johanna, Antje und Olha, die das heutige Kochteam komplettieren, beginnen mit dem Schälen, Putzen und Schnippeln. Große Kartoffeln werden unter Johannas geschickten Händen zu kleinen Würfeln, Antje putzt die Minikohlköpfe und Olha schneidet Paprika. Alle vier kommen nicht nur wegen des gemeinsamen Kochens für einen guten Zweck hierher. Der Dienstag am Herd ist für sie Geselligkeit, das Bedürfnis, gebraucht zu werden, und für Ukrainerin Olha praktischer Deutschunterricht. Deutsche und russische Wörter schwirren durch die Küche, ihr hat das schon viel geholfen, erzählt die blonde Ukrainerin lächelnd.

Uwe, der stets gut gelaunte Hobbykoch, hat auch Erfahrungen in der Gastronomie. Das ist beim CVJM-Projekt aber gar nicht nötig. Was hier in den Töpfen entsteht, ist Herzensküche nach Omas Rezepten und schmeckt wie zu Hause. Seit drei Jahren wird jeden Dienstag ein Essen zubereitet. Wenn die gespendeten Zutaten nicht ausreichen oder das eigene Lager nicht genügend Vorräte beinhaltet, dann kaufen die ehrenamtlichen Köche auch Zutaten wie Nudeln oder Reis zu. Manchmal auch aus eigener Tasche. 

15:30 Uhr: Uwe, Johanna, Antje und Olha beenden ihre Arbeit mit dem Putzen der Küche. Das zweite Team rückt an, verlädt das Essen und alle notwendigen Utensilien aufs Lastenrad. Felix ist seit einem halben Jahr dabei. Er möchte neben der Arbeit noch etwas Sinnstiftendes tun und hat über die Ehrenamtsagentur zum CVJM gefunden. Fünf Helfer teilen sich bis 18:00 Uhr in die Essensausgabe rein. Organisiert wird der Transport und die Aktion am Anger von Julia, die vor zwei Jahren durch Zufall zum Team gefunden hat. Das neue Lastenrad, ein E-Bike, erleichtert seit zwei Monaten die Arbeit. Es bietet deutlich mehr Platz.

Die Suppe wärmt nicht nur den Magen, sondern auch das Herz der Bedürftigen. Noch wichtiger als der gefüllte Magen sind die Gespräche. Viele Bedürftige sind Stammgäste und oft schon vor dem Lastenrad da. Am besten kommen süße Gerichte an. Statt Tee wünschen sich die Bedürftigen öfter mal Kaffee. Nicht alle Wünsche lassen sich realisieren, denn die Mittel sind begrenzt und für das Essen zahlt kein Bedürftiger.

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Bedürftige, cvjm, ehrenamt, erfurt

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