An der langen Brücke haben sich Carolin Pfleger und ihre Soapis – so nennen sich ihre Mitstreiterinnen – ihr ganz eigenes Reich geschaffen. Hier verkaufen sie nicht nur selbst gerührte Seifen, sondern auch Badekonfekt und Badekonfetti, das sind pflegende Cremebäder – alles nachhaltig und selbst hergestellt.

Durch das Lädchen zieht ein zauberhafter Duft, aromatisch, aber nicht aufdringlich, angenehm halt.

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Caro mit dem Haferflöckchen…

Seife ist das Produkt der Stunde, denn regelmäßiges Händewaschen ist derzeit das A und O, will man sich nicht anstecken. „Viele haben inzwischen gemerkt, dass man mit einem  Seifenstück zu Hause viel länger reicht als mit Flüssigseife, die nicht selten für rauhe, rote Hände sorgt, anders als Seifen“, erzählt Carolin Pfleger. „Seifen haben einen bestimmten ph-Wert (8-9) der unsere Haut reinigt. Handgemachte Seifen sind meist rückfettend, da sie mit Ölen und Fetten angerührt werden. Damit sind sie also besser als herkömmliche Flüssigseifen“, sagt sie und hat gleich noch einen Tipp parat. „Außerdem sollten wir auch darauf achten, nicht ganz so oft Desinfektionsmittel für unsere Hände zu verwenden, da keine Pflegestoffe drinnen sind und so die Hautoberfläche angegriffen wird. Daher, wenn möglich lieber mit Seife und warmen Wasser die Hände waschen und reinigen“, sagt die junge Frau und erinnert an die 20-Sekunden-Regel für gründliches Händewaschen.

Aber auch andere Produkte rund um Küche und Bad finden sich in Madame Pfleger’s Seifenlädchen, das momentan nur online verkauft:  alles Manufakturware. Hand- und Geschirrtücher aus Leinen, Hemden aus Biobaumwolle, handgetöpferte Seifenschalen,
vegane Zahnseide, Bambuszahnbürsten, Seifennetze aus Sisal, wobei sie selbst auf die Nylonnetze schwört. „Hier trocknen die Seifen besser ab, halten sich länger.“

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Die Seifen wecken Bilder im Kopf von warmen Sommertagen,  Frühlingsblüten oder herbstlichen Nächten.

Vor drei Jahren übernahm die heute 31-Jährige das Lädchen ihrer Eltern, gab ihm einen neuen Namen und ein neues Gesicht. Nicht nur äußerlich, auch von der Produktvielfalt her. „Früher hab ich hier oft ausgeholfen, es war ein Hobby für mich. Aber irgendwann musste ich mich entscheiden“, sagt die junge Frau, die zeitgleich in der Paulstraße ein Fotostudio führte. Gewonnen hat am Ende die Seife, sagt sie lachend und zeigt auf das lackierte Holzregal, in dem sie eine stattliche Anzahl ihrer Seifen präsentiert.

Um die 30 Sorten hat sie im Angebot, angefangen vom „Frechen Früchtchen“ über „Rapunzel“ oder die „Goldmarie“ bis hin zu „Pharao“. Letztere war, mit Sandelholz und Patschuli versetzt, eigentlich als Seife für Männer gedacht, schlug aber bei der Damenwelt voll ein.

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Alles handgemacht, inzwischen haben die Soapis auch immer mehr vegane Produkte im Angebot.

„Alle unsere Seifen sind Hand- und Körperseifen, manche mit Salzen, immer häufiger bieten wir vegane Produkte an. Auch Haarseifen stellen wir her. Hier nehmen wir für die Kämmbarkeit andere Fette und Öle“, erzählt Carolin Pfleger. Ihr heimlicher Favorit ist „Pink Sugar“. Sie duftet nach Zuckerwatte und Karamell. „Die nehme ich sogar zum Abschminken“, sagt sie. Das Schöne an den Seifen: Es sind dezente, unaufdringliche Düfte, die aber dennoch Bilder im Kopf entstehen lassen, von Maiglöckchen, einem italienischen Sommertag oder einem sanften Duft nach Weihrauch und Myrrhe, so wie bei „Arno“. Die Seife hat sie kurzerhand nach ihrem Uropa, einem Boxer, benannt.

„Als ich ein altes Bild von ihm mit lauter Medaillen um den Hals in einer Kiste gefunden habe, wusste ich gleich: Ihm widme ich eine Seife“, sagt sie.

Aber auch hinter der „Klara“ verbirgt sich eine Geschichte. Sie ist mit Kaffeesatz versetzt. Der stammt inzwischen aus dem Café „Klara Grün“. „Die Jungs sind auf uns zugekommen und haben gefragt, ob wir nicht ihren Kaffeesatz nehmen wollen“, erzählt die junge Frau, die regelmäßig bei Instagram nach Produkten fahndet, die zu
ihrem Lädchen passen könnten. Einige davon hat sie inzwischen im Angebot. Eine Tasche zum Beispiel, damit man die Seife auch mit auf Reisen nehmen kann, auch wenn man dazu aktuell keine Gelegenheit hat, da alle zu Hause bleiben müssen.

„Das sind eigentlich Taschen für Surfer aus Waschpapier, damit die Sportler das Wachs immer wasserdicht bei sich haben können, sie sind aber auch perfekt für Seife. Ein junges Mädchen aus Hamburg näht sie selbst. Auf Instagram hab ich sie gesehen
und sofort angeschrieben“, erzählt Carolin Pfleger und greift schon zum nächsten: eine ungewöhnlich geformte Seifenschale aus Keramik von Anne Keil. Ein bisschen
sieht sie aus wie eine Buchstütze.

Aber sie ist perfekt für Seife, ideal, damit die Feuchtigkeit nach dem Benutzen ablaufen kann. „Wir sind immer auf der Suche nach kreativen, nachhaltigen Produkten und haben vor der Krise auch in Konzept-Stores in München, Braunschweig und Ingolstadt verkauft“, sagt sie und hofft, dass bald wieder Normalität einkehrt.

Bei den Ingredienzien setzen die Soapis auf Regionalität. „Im Grunde genommen verarbeiten wir Lebensmittel, Biomilch von Ziegen oder Schafen, Sonnenblumen- und Rapsöl, Butter. Vieles davon kaufen wir in Erfurt auf dem Wochenmarkt. Das Bienenwachs kommt von einem kleinen Imker aus der Nähe“, sagt sie.

Die Duftöle sind hochwertig. Das Seifekochen selbst ist etwas komplizierter, ein chemischer Prozess mit Natriumhydroxid und destilliertem Wasser. Nichts, was man
schnell mal in der eigenen Küche zusammenrühren kann. „Wir arbeiten mit einem Kaltrührverfahren, setzen neben hochwertigen Duftölen aber auch Öle und Fette zu. Das
muss sein, damit die Seife ihre rückfettende, pflegende Wirkung entfaltet. Beim Rühren wird die Laug ziemlich heiß. Hier muss man den richtigen Punkt treffen, damit
die Seife nicht klumpt“, erzählt sie. Ist die Lauge abgekühlt, füllt Carolin Pfleger sie in Holzformen. Die sind ca. 30 cm lang. Pro Topf reicht die Lauge für 6 Formen. Einen
Tag lang muss die Seife in den Formen abkühlen. In Papier gewickelt, ruhen die Stücke dann vier Wochen, erst dann kann sie geschnitten werden. „Das ist wichtig, damit
die Seifen richtig aushärten und sich beim Duschen nicht ganz schnell auflösen“, erklärt Carolin Pfleger.

Mehr zum Seifenlädchen gibt es im Internet unter www.seifenladen-erfurt.de.

Fotos: Karina Heßland-Wissel