Papier ist ihre große Leidenschaft. Sie machen daraus, was nur geht. Nicht nur Ritterhelme oder Krönchen, auch Lampen entstehen unter den geschickten Fingern von Claudia Beck und Nico Reinhardt. Ihre Pinatas sind der letzte Schrei, egal ob aus edlem Weiß für die stilvolle Hochzeit oder die Neon-Variante mit Nachtleuchteffekt. Sehr gut kommt auch Pop-Up-Kalender der kleinen Papeterie an. „Das war eins unserer ersten Produkte“, erzählt Nico.

Die Kreativität der beiden Papierverliebten kennt keine Grenzen. Sie formen elegante Rosen oder Girlanden in den verschiedensten Varianten, designen Konfetti, und zwar in unglaublich vielen Variationen.

Es ist mit 2,5 cm nicht nur ein ganzes Stück größer als normal und wird garantiert nicht übersehen, es ist auch ziemlich farbenfroh. Die fröhlichen Mischungen punkten mit zarten Rosé- oder grün-gelben Dschungeltönen, maritimen Farben oder Einhorn-Charme. Besonders beliebt ist „Love“, erzählt Nico und hält eins der in dezenten Purpurtönen gehaltenen Tütchen hoch.
Und warum heißen sie Qnik? „Weil wir Papier knicken, nur eben anders als die anderen“, meint der 29-Jährige und erzählt, dass sie das manchmal auch vor größere Herausforderungen stellt. „Für manche Idee fehlt einfach das Papier. Wir sind schon dazu übergegangen, Papiere direkt für uns anfertigen zu lassen“, sagt er.
„Papier ist so ein vielseitiger Werkstoff, damit kann man so viel machen“, schwärmt Claudia Beck und drückt mir einen kleinen, gold-glänzenden ungewöhnlich geformten Karton in die Hand. „Ist das Konfekt?“ „Nein“, sie lacht. „Das sind drei Jahre Glück!“ Neugierig öffne ich das Kästchen. Darin sind drei vergoldete Puffbohnen. „Pflanze jedes Jahr eine dieser Puffbohnen und du hast drei Jahre Glück“, erklärt sie mir. Ein süßes kleines Geschenk für zwischendurch, findet nicht nur sie.

Lange haben die beiden Produktdesigner, die sich ihr Rüstzeug an der Bauhaus-Uni in Weimar geholt haben, probiert, welches Farbmaterial am besten an den Bohnen haftet und sie trotzdem wachsen lässt, wenn man sie in die Erde steckt. Dahinter stecken eine ordentliche Portion Geduld und Sorgfalt, die all ihre Produkte auszeichnet. „Wir arbeiten ewig am Prototyp, testen verschiedene Papiere und Stärken. Da kommen bestimmt 20 bis 30 Modelle zusammen. Erst, wenn wir die ideale Variante gefunden haben, gehen wir in die Produktion“, erklärt Nico Reinhardt.
Und wohin mit den vielen Modellversuchen? „Anfangs haben wir uns mit unseren Freunden vom Kanuverein am Dreienbrunnenbad getroffen, um die Prototypen zu verbrennen, wir nennen es ‚feierliche Origamiverbrennung‘“, erzählt Claudia Beck. Doch inzwischen landen immer weniger der papierenen Schönheiten im Lagerfeuer, vielmehr wandern sie in die Taschen ihrer Freunde, die begeistert sind, was man alles aus Papier machen kann. „Aus FSC-zertiziertem. So viel Zeit muss sein“, sagt sie augenzwinkernd.

Wie sie aufs Papier kam? Claudia Beck, die alle nur Claudi nennen, lacht fröhlich. „Das glaubt ihr mir nie. Ich hab vor über 10 Jahren ein FSJ bei der Stadtwirtschaft gemacht und dort den Paperman betreut, so hieß der Papiersammelwettbewerb der Stadtwerke damals noch. Ich habe die Schulen besucht, mit den Kindern Papier geschöpft, Kunstwerke aus Altpapier gebaut. Während meines Studiums in Produkt-Design habe ich dann festgestellt, dass Papier in all meinen Arbeiten präsent war. Das hat mich irgendwann nicht mehr losgelassen“, erzählt die 32-Jährige. In Nico Reinhardt hat sie schnell einen Gleichgesinnten gefunden, mit der gleichen Leidenschaft fürs außergewöhnliche Papier.


Anfangs haben die beiden nur online verkauft. Elf Wochen im Pop-up-Store am Fischmarkt (hier wechseln die Arrangements regelmäßig, da sich hier alle paar Wochen kreative Gründer mit ihren Ideen präsentieren) haben sie jedoch eines Besseren belehrt. „Wir wurden regelrecht überrannt. Damit hätten wir nie gerechnet. Natürlich kommen viele Touristen, aber auch bei den Erfurtern haben wir wohl gezündet“, freut sich Claudia Beck. Inzwischen haben sie eine kleine Papeterie auf der Krämerbrücke und wollen versuchen, an die Erfolge der Weihnachtszeit anzuknüpfen. Aber auch Kleinkunst, Lesungen oder einfach mal Musik im Laden auflegen wären echt toll, meinen sie.

Inzwischen sind auch Trauringhersteller auf ihre besonderen Ideen aufmerksam geworden, die stilvollen cremefarbenen Rosen oder die Origami-Hochzeitspinatas. „Das ist toll und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, meint Nico Reinhardt und fängt schon wieder an, Papier zu falten.

Die beiden nutzen jede freie Minute, um ihre Papiere zu qniken – auf ihre ganze besondere Art und Weise. Denn das Sortiment wächst, die Nachfrage auch. Ihre Erfurt-Karten – schöne, weiß gehaltene Mitbringsel mit ausklappbaren Ansichten von Dom oder Krämerbrücke – sind heiß begehrt. Wer mag, kann sie gern ausmalen. „Wir freuen uns, wenn unser Papier lange Freude macht“, sagt Nico Reinhardt, der es genau wie Claudia nicht erwarten kann, im neuen Ladenlokal durchzustarten.

„Der Austausch ist so toll. Wenn man mit den Kunden ins Gespräch kommt und dadurch ganz neue Ideen entstehen“, erzählt Claudia Beck und berichtet von einer Frau, die eine platzsparende Lampe für ihren Wohnwagen suchte und gleich mehrere klappbare Variationen der Qnik-Lampe mitnahm.

Eine davon für das Wohnzimmer, und zwar nicht komplett ausgeklappt, sondern nur halb. Mit Magneten hält das super an der Wand. Claudia hat es ausprobiert und wird diese spontane Idee ins Sortiment aufnehmen.
Mehr zu Qnik gibt es im Internet oder auf Instagram oder Facebook.
Fotos: Karina Heßland-Wissel