Arbeiten, Wohnen und Leben auf angenehme Weise miteinander zu verknüpfen, das ist das Ziel von Carola Busse. Seit 1991 baut sie Einfamilienhäuser, restauriert alte Fachwerkbauten. Die Entwicklung des Erfurter Kreuzes hat sie nachhaltig mitgeprägt, Grundstücke beschafft, Fördermittel akquiriert, Arnstadts historischen Bauten zu neuem Flair verholfen: Auch das Otto-Knöpfer-Haus in Holzhausen hat sie sanft saniert. Carola Busse ist das, was man eine Macherin nennt. Ihr Herz schlägt für die Stadtentwicklung.

Ein Wohnquartier so zu entwickeln, dass sich die Menschen darin wohl fühlen und dennoch kurze Wege zu Schule, Arbeit, Kita haben – das ist die große Kunst. Das weiß auch Carola Busse. Einer der Gründe, warum sie der alten Brache am Juri-Gagarin-Ring, auf dem einst das Jugendtourist-Hotel stand, neues Leben einhauchen will.
Eine harmonische, quartierübergreifende Gestaltung, die Alt- und Neubauten verbindet, Ruhepole schafft und den Standort aufwertet, schwebte ihr vor. Das ist ihr schon bei den Schotten- und Auenhöfen gelungen, das will sie jetzt auch zwischen Juri-Gagarin-Ring, Wallstraße und Flutgraben umsetzen, dort, wo momentan der „WirGarten“ alternative Angebote macht – mit Unterstützung von Carola Busse. Denn natürlich ist sie Mitglied im Verein und wird auch dabei helfen, einen neuen Platz für den Verein zu suchen.
Zugegeben, das Grundstück hat es in sich. Es war nicht gerade Liebe auf den ersten Blick, als sie es für die Wachsenburg Baugruppe erwarb. Es ist schwer zu bebauen, wirkt kaum attraktiv. Die letzte große innerstädtische Altstadtbrache. Eine Herausforderung ja. Aber davon lässt sich Carola Busse nicht schrecken. Vielmehr ist es ein Ansporn für sie. Hier im Regionalen will die 55-Jährige etwas bewirken, helfen, unterstützen. „Erfurt, der Ilmkreis – das liegt mir am Herzen. Hier will ich Impulse setzen, die Zukunft des Wohnens mitgestalten“, sagt sie. Dementsprechend anspruchsvoll war der Wettbewerb, den die Architektin ausschrieb.
Eine attraktive Wohnbebauung war gefordert, die nachhaltige und soziale Aspekte vereint, einen Ort des Rückzugs ins Private darstellt, aber – nur wenige Schritte von der eigenen Haustür entfernt – auch Raum für Begegnungen schafft: mit kleinen Geschäften, Apotheken, Restaurants, einer Kita. „Die Menschen haben so wenig Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Mit dem Wohngebäude möchte ich nicht nur Wege verkürzen, sondern auch ein Miteinander der Generationen ermöglichen, sagt sie und ihre Augen strahlen. „Hier sollen Junge und Alte, Familien, Singles und Paare Tür an Tür leben können, Menschen mit kleinerem Geldbeutel genauso wie andere. So wie das Leben nun mal ist“, sagt sie.
Besonders wichtig ist ihr, dass sich die Quartiere nach außen öffnen mit halböffentlichen Zonen, Plätzen, die von Leben erfüllt sind. Aus zehn Entwürfen haben sich am Ende zwei herauskristallisiert, die in die engere Wahl kamen.

Anke Schettler aus Weimar hat einen Entwurf mit einem Hochhaus vorgelegt, der an den Mailänder „Bosco Vitale“ erinnert: Bäume wachsen von den Terrassen in die Höhe.

Auch Claus Worschech aus Erfurt hat mit seinem Entwurf begeistert: Zwei Hochhäuser beherrschen das Projekt, nicht höher als 16 Geschosse. Die Kindertagesstätte sitzt mit großer Dachterrasse in der 4. Etage – bietet viel Luft und Licht und Blick zum Dom. Beide Teilnehmer haben ihre Entwürfe noch einmal überarbeitet. Jetzt ist es an Carola Busse, eine Entscheidung zu treffen. Und die wird schwer. „Beide Entwürfe sind sehr gut. Wir prüfen beide noch einmal eingehend, um im kommenden Jahr eine finale Entscheidung treffen zu können. Am Ende müssen wir uns zwischen zwei Siegern entscheiden“, sagt sie.
Spatenstich für das 34 Millionen Euro teure Projekt könnte im Frühjahr 2018 sein. Mit Sicherheit ist es das größte und anspruchsvollste Vorhaben, das Carola Busse seit Bestehen der Wachsenburg-Baugruppe plant. Das allerdings hält sie nicht davon ab, weitere zukunftsweisende Projekte in Angriff zu nehmen. In Ichtershausen plant sie ein Kinderschloss in der ehemaligen Jugendstrafanstalt. Das Schloss Marienburg stammt aus dem 17. Jahrhundert. Die dreiflügelige barocke Anlage soll zu einem Therapiezentrum für Kinder umgestaltet werden. „Quartiere, die aussichtslos erscheinen, haben es mir irgendwie angetan“, sagt sie fast entschuldigend. Und irgendwie wissen wir schon jetzt, dass sie auch das schaffen wird.
Die Entwürfe der beiden Architekten wurden im Rahmen des Wettbewerbs von der Wachsenburg-Baugruppe zur Verfügung gestellt. Der Entwurf von Claus Worschech zeigt die überarbeitete Fassade mit mehr Grün.