Abwärme: Die unsichtbare Energiequelle der Wärmewende

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Sonderjournal Energiewende

Wenn über die Wärmewende gesprochen wird, denken viele zuerst an Wärmepumpen, Solarthermie oder Wasserstoff. Doch eine der größten und zugleich effizientesten Energiequellen ist bereits da – sie wird nur häufig übersehen: Abwärme. Sie entsteht unvermeidbar in Industrieanlagen, Rechenzentren oder bei der Abfallbehandlung und wird oft ungenutzt an die Umgebung abgegeben. Dabei steckt in ihr enormes Potenzial für eine klimafreundliche Wärmeversorgung.

Der große Vorteil der Abwärmenutzung liegt auf der Hand:
Sie verursacht keine zusätzlichen CO₂-Emissionen, da keine neue Energie erzeugt wird. Unternehmen senken ihren Energieverbrauch und ihre Kosten, aufwendige Rückkühlprozesse entfallen, und bei der Einspeisung in Wärmenetze entstehen sogar neue Einnahmequellen. Gleichzeitig verbessert sich die CO₂-Bilanz der Fernwärme – ein entscheidender Hebel für die Dekarbonisierung des Gebäudebestands in Städten.

Deutschland setzt deshalb zunehmend auf Abwärme als Schlüssel der Energiewende. Allein in Thüringen liegt das technisch nutzbare Abwärmepotenzial bei rund 4.000 Gigawattstunden – genug, um rechnerisch bis zu 500.000 Haushalte mit Wärme zu versorgen. Um diese Potenziale sichtbar zu machen, hat die Bundesstelle für Energieeffizienz eine gesetzlich verankerte Plattform geschaffen, auf der bundesweit bereits rund 19.000 Abwärmequellen gemeldet sind. Kommunen, Stadtwerke und Unternehmen finden hier eine wichtige Grundlage für neue Projekte – auch wenn der Weg von der Idee zur Umsetzung oft anspruchsvoll ist. Der Ausbau von Wärmeleitungen, technische Fragen und komplexe Abstimmungen erfordern Zeit, Investitionen und verlässliche Partnerschaften. Wie erfolgreich Abwärmenutzung gelingen kann, zeigen Beispiele aus anderen Städten: In Leipzig wird künftig industrielle Abwärme aus dem Chemiepark Leuna über eine neue Fernwärmeleitung in die Stadt transportiert und soll ab 2028 einen erheblichen Teil des Wärmebedarfs decken. In Düsseldorf speisen die Stadtwerke gemeinsam mit dem Unternehmen Henkel industrielle Abwärme in das Fernwärmenetz ein – ein sichtbares Zeichen für den Abschied von fossilen Energieträgern und für die Kraft starker Kooperationen zwischen Wirtschaft und kommunaler Daseinsvorsorge.

Auch in Erfurt rückt dieses Thema zunehmend in den Fokus. Die Stadtwerke prüfen derzeit die Nutzung von Abwärme aus der Restabfallbehandlungsanlage in Erfurt-Ost. Das Projekt befindet sich noch in der Planungsphase, zeigt aber bereits heute, wie konsequent vorhandene Energiequellen künftig genutzt werden sollen. Denn klar ist: Die Wärmewende wird nicht allein durch neue Technologien entschieden, sondern auch durch den klugen Umgang mit Energie, die bisher ungenutzt blieb.

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Abwärmenutzung, energiewende, erfurt, stadtwerke, wärmewende

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