Erfurterin auf Zeit für eine Rolle in „Schloss Einstein“

in
JOURNAL Frühling 2026

1.104 Episoden in 28 Staffeln, ca. 26.700 Filmminuten – Fans der Erfolgsserie „Schloss Einstein“ könnten 20 Tage rund um die Uhr ohne Pause schauen. Die erste Folge von Schloss Einstein lief am 4. September 1998 im Kinderkanal (heute KiKA). Seit der 11. Staffel im Januar 2008 kommen die knapp halbstündigen Episoden über und für Teenager, ihre Erlebnisse, ihren Schulalltag oder die kleinen und großen Probleme aus Erfurt.

Der Drehort für die Serie mit riesiger Fangemeinde wechselte mehrfach: Ein Gebäude des MDR, das Alte Schauspielhaus und seit Längerem ein ehemaliges Kinderheim am Drosselberg liefern die Kulissen für die Internatsschule der großen und kleinen Teenagergeschichten. Für mehrere Episoden kam das Drehteam in den egapark, das Steigerwaldstadion war sportliche Kulisse und eine Episode spielt im sanierten Dreienbrunnenbad.

Die Fans sind der Serie auch 2026 treu. Selbst als Darsteller oder Darstellerin mitzumachen – das ist für manchen Serienfan ein großer Traum. Doch wie schafft man es in die Serie und wie läuft ein Drehtag? Dass den Einsteinern die Mitwirkenden nicht ausgehen, dafür sorgt die Filmproduktionsgesellschaft Saxonia Media aus Leipzig.

Sonia Kantati aus Hamburg, 14 Jahre alt, spielt seit zwei Jahren bei Schloss Einstein mit. Ein zufällig gesehener Aufruf im Fernsehen hat ihr Interesse geweckt, ein richtiger Einstein-Fan war sie zuvor nicht. Sonia bringt Schauspielerfahrung mit. In der Musicalstadt Hamburg verkörperte sie die junge Nala in „König der Löwen“ und konnte dabei viele Erfahrungen sammeln.

Seit Staffel 28 spielt sie Ruby, einen enorm vielschichtigen Charakter. „Sie hat sehr viele Seiten und ist wirklich ein Tausendsassa. Alles, was mit MINT zu tun hat, ist ihr Ding, also Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Sie ist musikalisch und hat selbst einige Songs produziert.“

Wie viel Sonia steckt in Ruby? In Mathe ist die sympathische Hamburgerin mit den dunklen Locken eher nicht so gut. Aber sie liebt die Musik und spielt Querflöte. Sonia ist überzeugt: „Vom Charakter her bin ich das komplette Gegenteil. Ich lache immer und bin gelassen. Ruby ist sehr aufbrausend, wird schnell sauer.“

Macht es Spaß, mal ganz anders zu sein, als man selbst ist? Sonia mag es beim Schauspielern mehr, wenn sie das, was sie darstellen soll, selbst erlebt hat. Die Rolle der Ruby verlangt ihr viel ab, da sie so anders als ihr eigener Charakter ist. „Ich hatte nur diese eine Option und habe sie sehr lieben gelernt.“

Für die Zeit der Dreharbeiten leben die Darsteller in Erfurt bei Gastfamilien, gehen hier zur Schule. Freunde und Familie sehen sie nur selten. Der Drehnachmittag nach der Schule ist gut gefüllt. Für andere Hobbys bleibt wenig Zeit. Allein in die Ferne zu ziehen, ist für einen Teenager ein großer Schritt, weiß Sonia: „Meine Freunde vermissen mich sehr und ich sie auch. Und mir fehlen meine zwei kleinen Schwestern. Wir schauen auch mal gemeinsam Folgen. Sie sind meine heftigsten Kritikerinnen und auch meine größten Fans.“

Sonia Kantati, alias Ruby, und Massuda Phanit gespielt von Tisa Pharischad Khumyim im Studio

Es ist schwer, über Monate getrennt von Familie und Freunden zu leben. Über Heimweh und Trennungsschmerz haben ihr die anderen Darsteller und die Betreuer am Set hinweggeholfen. „Ich habe viele neue Freunde gefunden, es ist eine schöne Gemeinschaft. Wir Darsteller sind jetzt unsere eigene Familie hier.“

Das Wichtigste im Drehzeitraum? Sonia muss nicht lange nachdenken: „Auf jeden Fall die Freunde, die ich hier gefunden habe. Aber ich merke selbst auch, wie ich mich persönlich verändert habe. Ich frage mich manchmal, wie wäre ich gewesen ohne Schloss Einstein. Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich bin auf jeden Fall reifer geworden, selbstständiger und selbstbewusster. Dinge, über die ich mich früher aufgeregt habe, sehe ich heute viel gelassener.“

Ihr Tipp für potenzielle Bewerber um eine Rolle in der Teenie-Serie? „Seid einfach ihr selbst, legt den Mittelpunkt auf euch selbst und macht keine große Show. Das Schauspielern kommt später.“

Schloss Einstein war auf jeden Fall für Sonia ein Anstoß, später in die Schauspielbranche gehen zu wollen. „Das ist ja wie so ein Katapult. Für die meisten Schauspieljobs braucht man Erfahrung und hier ist es eine gute Möglichkeit, ohne eine Agentur in die Branche einzusteigen und Dreherfahrung zu sammeln.“

Später Schauspiel studieren will die Hamburgerin aber nicht. Sie hat sich intensiv damit beschäftigt und findet das Schauspielleben einfach zu unsicher. Sonia sieht es für ihr Alter erstaunlich pragmatisch: „Wenn es klappt, dann klappt es, und wenn nicht, mache ich einfach was anderes. Journalistin oder Lehrerin, an so was habe ich gedacht, irgendwas in Richtung Medien.“

Ihre wichtigste Erfahrung: „Am Set habe ich mich ernst genommen gefühlt, so wie ein erwachsener Schauspieler. Alle helfen einem, da muss man sich keine Sorgen machen.“

Begeistert ist sie auch von ihrem Wohnort auf Zeit: „Erfurt ist cool, man hat die Stadt vor der Haustür. In Hamburg wohne ich auf dem Dorf, brauche 20 Minuten in die Stadt. Hier in Erfurt braucht man nicht weit, um das schöne Flair und die kleinen Cafés zu erleben.“

Tags :

erfurt, Schloss Einstein, Stadtwerke Erfurt, swe

Weiteres zum Thema: