Wasserstoff: Ein Baustein der Wärmewende in Erfurt

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Die Wärmewende betrifft uns alle. Sie soll dafür sorgen, dass unsere Energieversorgung klimafreundlicher wird – aber auch sicher und bezahlbar bleibt. Dafür gibt es nicht die eine Lösung. Wärmedämmung, erneuerbare Energien, moderne Kraftwerke und Speicher gehören genauso dazu. Wasserstoff ist dabei ein Puzzleteil – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Warum spielt Wasserstoff überhaupt eine Rolle?

Es gibt Situationen, in denen Strom aus Wind und Sonne allein nicht ausreicht – etwa bei längeren Dunkelflauten, wenn weder viel Wind weht noch die Sonne scheint. In solchen Zeiten braucht es verlässliche Reserven. Wasserstoff kann hier als Energiespeicher und Backup dienen und dazu beitragen, dass Strom- und Wärmeversorgung stabil bleiben.

Grüner Wasserstoff wird mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt. Bei seiner Nutzung entsteht kein CO₂. Ein Vorteil, der oft übersehen wird: Wasserstoff lässt sich speichern und über Leitungen transportieren. Er kann also genau dann genutzt werden, wenn er gebraucht wird – nicht dauerhaft, sondern gezielt zur Absicherung. In Thüringen wird der Einsatz von Wasserstoff gemeinsam mit vielen Partnern vorangetrieben, unter anderem im Rahmen der Initiative TH2ECO. Auch die SWE Energie und die SWE Netz sind Teil dieses Netzwerks und bringen ihre Erfahrung aus der sicheren Energieversorgung in Erfurt ein.

Bau einer Molchschleuse für eine sichere und effiziente Überprüfung von Wasserstoffleitungen

Konkret bedeutet das für Erfurt: Rund 42 Kilometer bestehender Gasleitungen sind bereits so ertüchtigt worden, dass sie künftig auch Wasserstoff transportieren können. Das ist ein wichtiger Schritt, denn so können vorhandene Leitungen weiter genutzt werden. Aufwendige Neubauten lassen sich dadurch begrenzen, was Zeit und Kosten spart. 2029, so der Plan der Transportnetzbetreiber, wird Erfurt an das deutschlandweite Wasserstoffkernnetz angeschlossen.

Eine Rolle spielt dabei das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Erfurt-Ost. Es versorgt die Stadt zuverlässig mit Strom und Fernwärme. Perspektivisch kann es so weiterentwickelt werden, dass auch Wasserstoff eingesetzt werden kann. Damit bleibt das Heizkraftwerk ein wichtiger und stets verfügbarer Energieerzeuger – insbesondere als Reserve für Zeiten mit wenig Wind und Sonne. Wasserstoff ergänzt hier die erneuerbaren Energien und sorgt dafür, dass die Versorgung auch in schwierigen Phasen gesichert ist.

Neben der technischen Vorbereitung sind Partnerschaften mit der regionalen Industrie ein wichtiger Baustein. So haben die SWE Netz GmbH und die ANDRITZ Schuler Pressen GmbH eine Zusammenarbeit vereinbart. Ziel ist es, den Industriestandort Erfurt schrittweise auf den Einsatz von Wasserstoff vorzubereiten. ANDRITZ Schuler prüft, wie Wasserstoff in der eigenen Produktion genutzt werden kann, zum Beispiel zur Beheizung von Hallen. Parallel dazu entwickelt die SWE Netz GmbH einen langfristigen Plan, wie das Gasnetz weiter umgestellt und perspektivisch an ein überregionales Wasserstoffnetz angebunden werden kann.

Anfangs umfasste das Netzwerk rund 45 Kilometer Wasserstoffleitung, doch nun wird es um zusätzliche
100 Kilometer erweitert. Dadurch wird das Versorgungsgebiet auf Regionen wie Kölleda, Saalfeld und Rudolstadt ausgedehnt

Ein weiterer Schritt ist die Kooperation zwischen Siemens Energy und der SWE Netz GmbH. Mit der Unterzeichnung eines sogenannten Letter of Intent haben beide Unternehmen ihre Absicht erklärt, gemeinsam an einer Wasserstoffinfrastruktur für den Standort Erfurt zu arbeiten. Siemens Energy plant, energieintensive Produktionsprozesse nach und nach auf Wasserstoff umzustellen. Die SWE Netz GmbH bereitet dafür die notwendigen Netze technisch vor.

Wichtig ist: Wasserstoff ersetzt nicht von heute auf morgen andere Energieträger. Er wird dort eingesetzt, wo er sinnvoll ist – als Ergänzung zu erneuerbaren Energien, Fernwärme und Strom und als Sicherheitsreserve. Die Projekte befinden sich noch in unterschiedlichen Planungs- und Umsetzungsphasen, werden aber Schritt für Schritt vorangebracht. Noch im ersten Quartal 2026 sollen politisch wichtige Entscheidungen für die Umsetzung des europäischen Gaspakets getroffen werden. Auch die Reform des Gebäudeenergiegesetzes wird die parlamentarische Arbeit bis zur Sommerpause prägen.

So stellt sich Erfurt vorausschauend auf die Zukunft ein: mit Lösungen, die auf bestehenden Strukturen aufbauen, die Versorgungssicherheit ernst nehmen und Klimaschutz mit Augenmaß umsetzen. Wasserstoff ist dabei kein Wundermittel, aber ein sinnvoller Baustein für eine sichere und klimafreundliche Energieversorgung unserer Stadt.

Fotos: SWE Netz, Adobe Stock

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