Erfurts WÄRMEZUKUNFT hat einen Plan

in
Sonderjournal Energiewende

Manchmal ist es völlig in Ordnung, wenn man das tut, was man kann. Bei Lieblingsrezepten zum Beispiel. Oder bei guten Gewohnheiten. In der Wärmeversorgung allerdings reicht Bewährtes allein nicht mehr aus. Denn Wärme, die gestern noch als zuverlässig galt, ist heute vor allem zu CO₂-intensiv. Das schadet dem Klima, macht abhängig von globalen Krisen – und treibt langfristig die Preise in die Höhe.

Genau hier setzt der Transformationsplan der Stadtwerke Erfurt an. Er beschreibt den Weg der Fernwärme in eine CO₂-freie Wärmeversorgung und damit einen der größten Umbauprozesse in der Geschichte des regionalen Energieunternehmens. Schritt für Schritt will und muss sich die SWE Energie von Erdgas lösen und bis 2045 vollständig ohne fossile Brennstoffe auskommen. Dies sind die Vorgaben des Bundes Klimaschutzgesetzes (KSG) und des Wärmeplanungsgesetzes (WPG).
Die Leitplanken sind dabei klar definiert: Wärme Made in Erfurt für Erfurt, um unabhängiger von globalen Krisen zu werden und somit Preissicherheit zu schaffen. Eine sichere Versorgung rund um die Uhr, auch in kalten Wintern. Und sozialverträgliche Preise, damit die Wärmewende für alle bezahlbar bleibt. Und klimaneutral.

 

 

 

Die Frage. Welche regenerativen Energien können das leisten?

Florian Zunkel ist Referent für Erneuerbare Energien der SWE Energie GmbH. Er sagt: „In dem Transformationsplan steckt also viel Verantwortung für die Menschen der Stadt. Er ist kein einmaliges Papier, sondern ein lebendes Konzept, das regelmäßig – ca. alle fünf Jahre – überprüft und fortgeschrieben wird. Denn Energiepreise, Technologien und gesetzliche Vorgaben verändern sich – und mit ihnen die optimale Strategie.“
Doch wie plant man die Zukunft der Wärme für eine ganze Stadt?
Dabei sicherte sich die SWE Energie GmbH die Unterstützung durch ein international tätiges Beratungsbüro aus Dresden. Das Knowhow vieler Städte, die vor denselben Herausforderungen stehen, fließt also regelmäßig mit in die Erfurter Planungen ein. „Zuerst wird der Ist-Zustand erstellt“, sagt Zunkel. So werden unter anderem die Erzeugerstruktur des aktuellen Netzes und die Lastverteilung untersucht, die Kosten der Wärmeversorgung, der Zustand des Netzes. Florian Zunkel: „Dann werden alle regionalen Optionen zur
Erzeugung regenerativer Energien vorurteilsfrei geprüft – von Abwärme bis hin zur Geothermie mit Nutzungsmöglichkeiten durch Brunnen, Gewässer, Erdwärmesonden / Kollektoren und Tiefengeothermie.“

„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“

Welche Technologien sind technisch machbar, wirtschaftlich sinnvoll und mit vertretbaren Risiken
verbunden?

Manche Ideen werden verworfen, nicht aus Prinzip, sondern weil sie technisch nicht umsetzbar oder nicht finanzierbar sind. Flusswärme etwa wurde angedacht, schied aber aus, weil niemand weiß, ob die Gera in kommenden Hitzesommern überhaupt genügend Wasser führen wird.
Oder Wärme aus einem großen Abwasserkanal am Löberwallgraben, hier hätte sich die Wärmeentnahme zwar gelohnt, aber er liegt zu weit vom Fernwärmenetz entfernt. Auch Photovoltaik oder Solarthermie kamen nicht in Frage, sie brauchen zu viel Fläche, die andere regenerative Energieerzeuger effizienter nutzen können. Außerdem erzeugen sie vor allem im Sommer Energie – im Winter, wenn die Wärme vor allem gebraucht wird, weitaus weniger. Außerdem stehen sie in Konkurrenz zu anderen grundlastfähigen Erzeugern, die im Sommer ebenfalls sehr effizient genutzt werden können.


Aus all diesen Planungen entstand der Erfurter Wärmemix, Stand 08/2025. Für das Jahr 2045 stellt die Tiefengeothermie 43 Prozent der benötigten Energiemenge, strombasierte Anlagen rund 36 Prozent bereit. Darunter fällt zum Beispiel Power to Heat, hier wird ein gewaltiger Heizkessel mit grüner Windkraft betrieben. Auch Großwärmepumpen wie im Klärwerk liefern bis zu 225 Gigawattstunden pro Jahr, so viel wie ca. 15 moderne Onshore-Windräder. Im Sulzer See sind mit dieser Technologie bis zu 70 GWh pro Jahr realistisch. Zwei sogenannte Luftwärmepumpen, die der Luft die Wärme entziehen, können bis zu 150 GWh jährlich liefern. Wasserstoff spielt mit einem Anteil von 12 Prozent künftig ebenfalls eine Rolle, er wird im Kraftwerk eingesetzt. Und die Abwärmenutzung bei der Restabfallbehandlungsanlage soll bis zu acht Prozent der
gesamt benötigten Wärme für Erfurt liefern.


Die Vielzahl der Erzeuger ist ein großer Vorteil: „Entscheidend ist ein System, das flexibel auf Wetter, Tageszeit, Preise und Verfügbarkeiten reagieren kann“, sagt Florian Zunkel. „Selbst, wenn der größte einzelne Wärmeerzeuger ausfällt, muss die Versorgung weiterlaufen können.“
Übrigens: Die Vorgaben durch das Wärmeplanungsgesetz (WPG) sind klar. 2030 sollen 30 Prozent, 2040 schon 80 Prozent und 2045 schließlich 100 Prozent der Wärme grün sein.

 

Foto: Jacob Schröter

Tags :

erfurt, Erneuerbare Energien., Fernwärme, Klimaneutral, stadtwerke, SWE Energie, Tierfengeothermie, Transformationsplan, Wärmemix, Wärmeplanung, Wärmeversorgung

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