Auf den Spuren des Wassers im Danakil

2021 eröffnete im egapark das einzigartige Wüsten- und Urwaldhaus Danakil. Auf dem barrierefreien Rundweg begeben sich die Besucher auf die spannende Suche nach dem Wasser. Dabei lernen sie Pflanzen und Tiere kennen, die sich mit vergleichbaren Strategien auf die Besonderheiten ihres Lebensraumes einstellen. Die Besucher tauchen in fremde Welten ein und erkunden die Bedeutung des Wassers für das Leben. Im Wüstenhaus fand die Sammlung wertvoller Kakteen des egaparks einen neuen Platz.

Wüstentour

Geheimnisvoll umhüllt das Wadi den Besucher. Die Felswände sind rau und von Rissen durchzogen. Die plötzliche Helligkeit am Ausgang blendet: Hier beginnt die Wüste. Links die Danakilsenke- der abgelagerte Schwefel schimmert in Gelbschattierungen. In dem einst fruchtbaren und heute lebensfeindlichen Gebiet wurden mehr als 3 Mio. Jahre alte Spuren des Menschen nachgewiesen. Die Wüste im egapark macht den Besuchern die Entdeckung leichter als im äthiopischen Original: Keine senkende Hitze oder Schwefeldämpfe. Im hiesigen Wüstenhaus öffnet sich dem Betrachter direkt hinter der Sanddüne die wunderbare Welt der Wüstenbewohner.

Bereits im Eingangsbereich haben die Danakilwanderer auf einer großformatigen Erdkugel erfahren, wie ungleich die Verteilung der Grundlage allen Lebens, des Wassers, ist. Jetzt erkunden sie selbst, wie Pflanzen und Tiere mit klugen Strategien auch in trockenen Gebieten überleben oder sich im Urwald behaupten.

Auf dem Rundweg begegnet man im Wüstenhaus zuerst den Sonnenflüchtern. Pflanzen wie die Fenestraria wachsen direkt unter der Erde und lugen nur über den Wüstenboden. Zu diesen Strategien gibt es Parallelen in der Tierwelt. Ameisen, Käfer oder Nagetiere flüchten vor der glühenden Hitze unter die Erde. Die Wüstenameisen oder die Familie der Erdmännchen machen vor, wie das erfolgreich auch im Team funktioniert. Emsig sorgen die filigranen Wüstenameisen für Ordnung in ihrem Bau. Die Arbeiterinnen fungieren in Ameisenkolonien als Bestatter. Sie tragen tote Individuen zu einem Abfallhaufen weit weg von der Kolonie oder in eine besondere Kammer in ihrem Nest. Manche Arten begraben ihre Toten auch. Die Wüstenameisen sind noch in besonderer Weise bemerkenswert: Gemessen an ihrer Größe, sind Wüstenameisen die wohl schnellsten Läufer im Tierreich. Mit bis zu einem Meter in der Sekunde hasten die Winzlinge über die Sanddünen der Sahara – das sind etwa 100 Körperlängen pro Sekunde. Auf menschliche Maße übertragen, entspräche das einem Tempo von mehr als 600 km/h.

Wüsteneindrücke und Strategien der Bewohner

Nicht weit von den Wüstenameisen befinden sich im Danakil die Erdmännchen. Sie leben in ihrem natürlichen Lebensraum in einem Königreich mit Familiensinn – in einer großen Familie, angeführt von einem Königspaar. Auch das Danakilpärchen hat sich gefunden. Aus drei Männchen hat die Königin gewählt. Die anderen zwei Männchen konnten nicht bleiben, denn sie werden dann nicht mehr geduldet. Im Erdmännchengehege gibt es viele unterirdische Räume mit zahlreichen Ein- und Ausgängen. Um dieses Labyrinth zu graben, benötigen die Tiere entsprechendes Substrat im Gehege, das ihrem natürlichen Lebensraum entspricht.

Wer sich von den putzigen Mangusten losgerissen hat, trifft die einfallsreichen Schattenmacher. Ob durch baumartigen oder kriechenden Wuchs, steil gestellte Blätter, lange Dornen, Warzen, Rippen oder Lamellen: Es gibt viele Wege, damit sich eine Hälfte des Körpers stets im Schatten befindet. Dann folgen auf dem Rundweg durch das Wüstenhaus die Schatzgräber. Not macht erfinderisch: Tiefreichende Wurzel- oder Tunnelsysteme oder ein weitreichendes oberflächennahes Wurzelsystem helfen den Pflanzen Wasser zu finden. Was im Danakil nicht live gezeigt werden kann, wird auf den virtuellen magischen Monitoren erläutert. Hier kann man unter die Erde blicken und auch zwischen Tag und Nacht wechseln.

Unterwegs im Wüstenbereich trifft der Wanderer auf eine Oase. Das sind fruchtbare Plätze, Inseln im Sandmeer und oft die letzte Rettung auf einer Reise durch die Dürre. Hier leben die Nässenutzer. Die Danakiloase ist ein Ort, an dem auch die Besucher eine Pause einlegen können. In einem Terrarium leben die Kurzohrrüsselspringer. Sie erinnern an kleine Mäuse. Während Mäuse zu den Nagetieren gehören, bilden die Rüsselspringer eine eigene Ordnung innerhalb der Klasse der Säugetiere. Ein Gen-Test brachte Klarheit: Kurzohrrüsselspringer sind näher mit Elefanten als mit Spitzmäusen verwandt. Selbstverständlich ist die Verwandtschaftslage zu Elefanten etwas komplizierter und geht um einige Ecken. Verwunderlich, wenn man Größe und Gewicht eines Kurzohrrüsselspringers mit Größe und Gewicht eines Elefanten vergleicht.

Von hier schweift der Blick zu den Wärmeregulierern und den Taufängern. Während die einen die Technik einer natürlichen Klimaanlage oder Wärmereflektion erfolgreich anwenden, leben die anderen von der Kondensation des Wassers im Wechsel vom Tag zur Nacht.

Die trockene Wüstenluft entzieht ständig Feuchtigkeit. Einfallsreich wehren sich manche Verdunstungsgegner gegen den gefährlichen Wasserverlust: mit einer wasserundurchlässigen

Wüstenbewohner – Kurzohrrüsselspringer

Wachsschicht oder angepasster Atmung. Den seltenen Regen speichern wieder andere Bewohner für trockene Zeiten, so wie die Tannenzapfenechse. Die Strategen mit urtümlichem Aussehen kommen im Süden und Westen Australiens vor, ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen und Früchten, jedoch auch von Schnecken, Insekten und Würmern. Im Winter und Frühjahr ist das Nahrungsangebot groß, im trockenen Sommer zehren die Tiere teilweise von ihren Fettreserven.

Wenn es in der Wüste regnet, dann sintflutartig. Zahlreiche Tiere und Pflanzen leben nur für diesen Augenblick. Sie verfallen in eine Art Trockenschlaf, um bei Regen wieder wie Dornröschen zu erwachen. Auch sie haben ihren Platz am Übergang vom Wüstenhaus zum Urwald.

Szenenwechsel

Wo in der Natur kann man so schnell von einer in die andere Klimazone gelangen? Woran es bisher mangelte, findet man jetzt im Überfluss: Wasser. Im täglichen Kampf ums Licht strebt alles in die Höhe und erzeugt ein Wohnen auf mehreren Etagen. 

Danakil Urwaldlandschaft

In der Grünen Hölle bilden Pflanzen und Tiere unglaubliche Gemeinschaften. Aber auch der Konkurrenzkampf hat ausgeklügelte Strategien hervorgebracht. Bemerkenswerte kleine Tiere sorgen für eine Aha-Effekt: Blattschneideameisen züchten Pilze, um sich von ihnen zu ernähren – und das bereits seit 50 Millionen Jahren. Die Ameisen können die Faserstoffe in den Pflanzen nicht verdauen, aber die Pilze. Deshalb bekommen sie die Blätter gefüttert und dienen den Ameisen als Nahrung. Nur in der Symbiose können sie überleben.

Der schöne Schein – die wunderbare Welt der Schmetterlinge

Im Tal der Schmetterlinge

Auch die Schmetterlinge haben wieder einen Platz im neuen Haus gefunden. Von der Puppenstube bis zum flatterhaften Dasein als Erwachsene – im Danakil kann man die unterschiedlichen Lebensphasen beobachten. Die Puppen werden von Bauern in Mittelamerika gezüchtet, für sie ein wichtiger Lebensunterhalt. Per Post kommen sie nach Deutschland und werden an einem Ast aufgehängt. Hier verwandelte sich das oft unscheinbare Paket in einen wunderschönen Schmetterling. Besonderheiten: Schmetterlinge schmecken mit den Füssen, manche haben keine ausgebildeten Fressorgane. Sie existieren als ausgewachsenes Insekt nur für einen Zwecke – die Erhaltung ihrer Art. Im Aquarium schwimmen Schildkröten.

Schildkröten und Fische leben ebenfalls im Urwaldbereich

Im feucht-warmen Urwaldhaus haben auch die Gipfelstürmer, die Flutenverteiler oder die Schichtarbeiter ihren Platz , allesamt florale Bewohner und benannt nach ihren Strategien.

Danakil, Urwaldbewohner

Wenn es abends dunkel wird, dann schwärmen ganz besondere Urwaldbewohner im Danakil aus: Fledermäuse. Die Samen der von ihnen gefressenen Früchte fallen auf den Boden, keimen und neuer Regenwald entsteht. Ein ständiger Kreislauf, der den Fortbestand sichert. Im Dunkeln leben auch die Mausmakis, an ihren riesigen Augen erkennt man sie als Tiere der Nacht. Die häufig in Madagaskar vorkommende Lemuren besitzen die Fähigkeit, bei schlechten Umweltbedingungen wie Trockenheit, geringer Nahrungs- und Wasserverfügbarkeit sowie Kälte in einen kurzzeitigen Starrezustand oder in längeren Winterschlaf, der bis zu zwei Wochen dauern kann, zu fallen. Dabei werden Körpertemperatur und Stoffwechselrate abgesenkt, so dass Energie eingespart wird. 

Unsere Mausmakis sind eine Senioren-WG. Sie haben Schwächen und Alterserscheinungen wie Menschen. Die liebevollen Ideen der Tierpfleger erleichtern ihnen den Alltag und sorgen mit mit der Anpassungen des Zuhauses für eine hohe Lebensqualität der Tiere.

Danakil ist eine Erfahrung für alle Sinne. Viele Zusammenhänge beider Klimazonen zeigen Landschaftsscanner, Bodenschnitte mit Erklärung oder eine eigens entwickelte App auf dem Rundweg und der Suche nach dem Wasser. Spannend auch die unterschiedlichen Touren mit dem iPad.