Gil Ferrer Cutiño ist der neue Trainer vom Volleyball-Bundesligist Schwarz-Weiß Erfurt. Er war schon Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft, hätte es einmal fast zu Olympia geschafft und sagt selbst über sich, dass er von einem anderen Planeten kommt. Wir stellen den Deutsch-Kubaner im SWE Blog vor.

Auf Kuba gibt es eine Familie, die liebt und lebt Volleyball: die Cutiños. Nur einer wollte da anfangs nicht mitmachen… Gil Ferrer Cutiño. Er spielte lieber Baseball, die Nummer-eins-Sportart des Inselstaates in der Karibik.

Immer mittendrin: Gil Ferrer Cutiño beim Training von Schwarz-Weiß Erfurt

„Als ich zwölf Jahre alt war, nahm mir meine Mutter einfach den Baseballschläger weg. Sie gab mir einen Volleyball zum Spielen“, sagt Gil Ferrer Cutiño und lacht. In San Luis, wo er zusammen mit seinen fünf Geschwistern aufwuchs, war Volleyball angesagt.

Alle Cutiños spielten Volleyball, fast alle sogar in der Nationalmannschaft Kubas. „Und wenn die Mama einem etwas sagt, dann muss man das eben auch machen“, meint der heute 46-Jährige und grinst dabei.

Höhen und Tiefen

Gil Ferrer Cutiño ist ein Mann wie ein Baum, misst 1,92 Meter und ist damit prädestiniert für Volleyball (bei den Männern hängt das Netz 2,43 Meter hoch!). Den Hünen verschlug es aber nicht in die Halle, er zog den Strand vor.

Beim Beachvolleyball bildete er mit seinem Bruder Francisco Alvarez ein erfolgreiches Gespann. Sie gewannen viermal hintereinander (!) die kubanische Landesmeisterschaft im Beachvolleyball. Der Lohn: 2004 sollten sie für Kuba bei den Olympischen Spielen in Athen antreten. Doch daraus wurde nichts…

Die unglaubliche Geschichte: Gil lernte im Frühjahr 2001 eine Frau am Strand von Santiago de Cuba kennen – und lieben. Diese Frau heißt Mandy und kommt aus Berlin. Sie war für einen Sprachkurs auf der Karibikinsel. Noch im selben Jahr heirateten sie.

Ein Jahr später – nach langem Hin und Her mit den kubanischen Behörden – durfte er seine Frau in Europa besuchen. Er kehrte nicht zurück. Der Liebe wegen blieb Gil in Deutschland. Der Volleyballverband Kubas sperrte den Sportler daraufhin für mehrere Jahre. In dieser Zeit durfte er keine Profi-Spiele bestreiten, der Olympia-Traum platzte.

Gils neue sportliche Heimat: Die Riethsporthalle in Erfurt.

„Das war sehr hart. Ich würde es trotzdem immer wieder so machen“, sagt Gil Ferrer Cutiño. Mit Mandy ist er auch heute noch glücklich verheiratet. Das Paar hat eine Wohnung in Berlin. Deutschland ist mittlerweile seine zweite Heimat, er fühlt sich pudelwohl.

Auch wenn es hier ganz anders ist als auf der Karibikinsel. „Ich sage immer, ich komme von einem anderen Planeten. Auf Kuba ist es eigentlich immer warm und laut. Die Leute leben quasi draußen und es sind immer viele Freunde oder Familienmitglieder zu Besuch. Das ist hier schon anders“, sagt er und lacht.

Wenn er ganz große Sehnsucht hat, kocht er sich etwas, wie er es bei seiner Mama lernte. „Wir kochen nicht nach einem Rezept, sondern immer nach Gefühl“, sagt Gil. Am liebsten mag er Hühnchen mit Reis und Kochbananen.

Jetzt zählt nur Erfurt

Sportlich ging es nach seiner Sperre schnell wieder bergauf. In Deutschland spielte er in Berlin Bundesliga und Champions League. Auch für Leipzig und Giesen stand er am Netz – nicht mehr am Strand, wie in seiner kubanischen Heimat. „Aber in der Halle lässt sich auch gut spielen und Spaß haben“, wie er sagt.

Seit 2010 arbeitet Gil als Trainer, hielt unter anderem in Berlin und Stuttgart die Pfeife in der Hand. Von 2014 bis 2015 war er sogar Assistent bei der deutschen Frauen-Nationalmannschaft, von 2015 bis 2017 Co-Trainer der niederländischen Frauen-Nationalmannschaft. Jetzt trainiert er erstmals die Volleyball-Frauen der Landeshauptstadt Thüringens.

„Ich bin noch nicht mal zwei Wochen in Erfurt, fühle mich aber schon sehr wohl“, sagt der neue Chefcoach von Schwarz-Weiß Erfurt. Von der Stadt hat er noch gar nicht viel sehen können. „Ich habe mich gleich an die Arbeit gemacht. Wir trainieren zweimal täglich und zwischendurch spreche ich mit meinem Team oder analysiere die nächsten Gegner.“

Von seinen Spielerinnen und dem Verein ist der neue Trainer bereits überzeugt. „Alle trainieren sehr gut und wir haben hier gute Bedingungen“, sagt er. Jetzt möchte er das Team mit seiner Erfahrung und seinem unbändigen Optimismus weg vom Ende der Tabelle führen. Anders als beim Kochen hat der dafür ein Rezept: „Training, Konzentration und ganz viel Spaß.“