„Es ist in dieser Form in Erfurt noch nie passiert. Dieser Knall macht hellwach.“, so redet der Erfurter Kulturreferent Tobias J. Knoblich vom zweitägigen Kulturereignis „Kultur Knall“ am 19. und 20. September. Erstmalig haben sich in diesem Jahr städtische und freie Kulturakteure für ein gemeinsames Kulturwochenende zusammengeschlossen: Am Samstag „Kultur flaniert, am Sonntag „Theatrale“.

Kulturdezernent Tobias Knoblich und Stefanie Müller-Durand (Ständige Kulturvertretung)

Die Pandemie machte es möglich, dass zwei verschiedene „Kulturkreise“ zusammen fanden und noch finden. Die freie Kulturszene und die städtischen Kultureinrichtungen bewegen sich in anderen Strukturen und sprechen eine andere „Sprache“. Keine gute Voraussetzung für eine Kommunikation. Ein Miteinander braucht aber Kommunikation. Vor Corona (klingt schon komisch) wurde „Kultur flaniert“ seit sechs Jahren von der freien Szene – genauer von der Ständigen Kulturvertretung (SKV) – organisiert und durchgeführt. Einen Tag lang im Sommer verwandelten die Kulturakteure Erfurt zu einem kunterbunten Festplatz.

Alexandra Bausewein und Stefan Kowalczyk von der Erfurter Zeichenrunde ließen bei der Programmvorstellung kleine Momentaufnahmen und visuelle Notizen entstehen.
Alexandra Bausewein und Stefan Kowalczyk von der Erfurter Zeichenrunde ließen bei der Programmvorstellung kleine Momentaufnahmen und visuelle Notizen entstehen.

Unter der Pandemie leidet vor allem die freie Kulturszene – Stichwort „Clubsterben“, aber auch die städtischen Museen und das Theater haben Einbußen zu verkraften. Die Not schmiedet nun zusammen. Es knallen zwei Kulturräume aneinander – im positiven Sinne. Es entsteht Gemeinsamkeit und Solidarität untereinander, so der Theater Intendant Montavon – von der Seite der städtischen Einrichtungen. Krise stimuliert. Jetzt geschehen Dinge, die ansonsten undenkbar gewesen wären. Gemeinsam mit der Stadt Erfurt und Vertretern der Erfurter Theater hat die SKV ein knalliges Kulturereignis organisiert.

Im Rahmen von „Kultur flaniert“ werden am Samstag, dem 19. September, große Teile Erfurts wieder zur kulturellen Flaniermeile und ermöglichen einen außergewöhnlichen Blick hinter die Kulissen der freien (sozio-)kulturellen Szene. Vereine, Initiativen und Akteure öffnen Veranstaltungsräume oder präsentieren Ateliers, Studios und Werkstätten. Auch die städtischen Museen, Erinnerungsorte, Clubs und Galerien gewähren ungewohnte Einblicke. Lesungen, Filmvorführungen, Konzerte, Workshops, Ausstellungen oder Stadtrundgänge sind nur einige der vielfältigen und kostenfreien Veranstaltungsformate.

Am Sonntag, dem 20. September, öffnen die Theater der Landeshauptstadt ihre Türen für alle Neugierigen und Kulturfreunde. Die „Theatrale“ lockt mit Schauspiel, Musiktheater, Konzerten, Puppenspiel sowie zahlreichen Überraschungen nicht nur in den Theatern selbst, sondern auch an verschiedenen Spielorten im öffentlichen Raum. Beteiligt am Programm der „Theatrale“ sind das Puppentheater Waidspeicher, das Tanztheater Erfurt e.V., das Theater Erfurt, das Kinder- und Jugendtheater Die Schotte, das Theater im Palais, der Stadtgarten, das Kulturquartier, die SommerKomödieErfurt und die Zentralheize.

Ständigen Kulturvertretung Stefanie Müller-Durand und Jan-Phillip Janphe
Ständigen Kulturvertretung : Jan-Phillip Janphe und Stefanie Müller-Durand

Für die Organisatoren seitens der Ständigen Kulturvertretung Stefanie Müller-Durand und Jan-Phillip Janphe (eher als JP bekannt) freuen sich über das neue Miteinander zwischen Stadt und freier Szene – auch wenn es dafür erst einen Leidensdruck geben musste. Es entstehen neue Prozesse, die hoffentlich nachhaltig sind. Sie wären eine Segen für die kulturelle Vielfalt in Erfurt. Ein zartes Pflänzchen, bei dem die freie Szene und die Stadt involviert ist, entsteht ja jetzt schon: Das Kulturquartier.

Infos: www.kulturknall-erfurt.de