Eine Operation am offenen Herzen … So könnte man medizinisch wohl am besten beschreiben, was Erfurt in den Sommerferien widerfahren wird. Denn die EVAG muss gleich an drei Baustellen in der Innenstadt ran – mehr oder weniger zeitgleich, mit voller Unterstützung der Stadtverwaltung und (punktuell) den SWE Kollegen der ThüWa ThüringenWasser GmbH.

Es ist eine Baustelle, die sich vom Gleisdreieck am Anger 1 (Höhe Kaufmannskirche) den Anger entlang bis zur Ecke Buchhandlung Hugendubel zieht, dann in die Bahnhofstraße abbiegt, den Juri-Gagarin-Ring überquert und erst danach endet.

Hauptbaustelle: die Kreuzung Ring/Bahnhofstraße. Bis 1898 überspannte hier die Augustbrücke die Wilde Gera, dann wurde das Flussbett inklusive Brücke zugeschüttet, der Löberring angelegt und das Wasser in den neuen Flutgraben umgeleitet. 58 Jahre später brach ein Teil der Brücke ein, sie wurde repariert – aber wieder nicht beseitigt.

Und genau das bereitet seit Jahren zunehmend Probleme: Verschiedene Hohlräume und ein nicht homogener Untergrund sorgen dafür, dass sich die Gleise der Straßenbahn bewegen, Tendenz zunehmend.

Auch ein weiterer Einbruch wie 1956 kann auf Dauer nicht ausgeschlossen werden. Einfach die Hohlräume zuschütten geht nicht – hier liegen noch alte Wasserleitungen. Sechs Wochen (also die gesamten Sommerferien), so die Planungen der EVAG, wird es dauern, bis der Verkehr auf dem Ring wieder rollen kann.

Die Bahnhofstraße – hier müssen Gleise erneuert, Gleisbereiche saniert werden. Eine Großbaustelle wird der Anger zwischen Hugendubel und dem Anger 1. Nicht nur, dass die rund 20 Jahre alten Weichen erneuert und Gleise neu verlegt werden müssen, in Planung sind auch eine Verlängerung der Haltestellen von bisher 15 auf rund 20 Meter, eine Sanierung des Gleisgrunds und eine großflächige Anhebung des Pflasters (damit das Regenwasser ablaufen kann).

Das Problem mit den Weichen besteht auch am Gleisdreieck an der Kaufmannskirche, auch sie sind rund 20 Jahre alt und am Ende.

historischjournalFoto: Stadtarchiv aus dem Jahr 1956.

Für die rund 60.000 betroffenen Fahrgäste täglich bedeutet das alles eine große Herausforderung: Zwar wird nicht alles auf einmal für sechs Wochen gesperrt, sondern – wenn irgend möglich – abschnittsweise gearbeitet, doch es wird laut bisherigem Stand der Planungen zehn Tage geben, an denen sich an den betroffenen Strecken kein Straßenbahnrad mehr dreht. Dann geht es nur noch zu Fuß weiter oder mit dem eingerichteten Schienenersatzverkehr.

Einschränkungen in der Bauphase

Vom 18.07. – 24.07.2020 wird der Bereich in Richtung Ringelberg gesperrt.
Die Stadtbahn-Linie 2 wird umgeleitet. Zwischen Ringelberg – Krämpfertor
– Busbahnhof fahren Busse. Im Anschluss wird der Bereich in Richtung Johannesstraße vom 25.07.-31.07.2020 gesperrt. Betroffen sind
die Stadtbahn-Linien 1 und 5. Auch hier werden Busse zwischen Lutherkirche/SWE und Busbahnhof über Krämpfertor eingesetzt.

In der Zeit vom 01.08.–11.08.2020 kommt es zu einer Teilsperrung der
Angerkreuzung. Änderungen auf allen Stadtbahn-Linien sowie auf der
Bus-Linie 9 sind die Folge.

In der Zeit vom 12.08.–16.08.2020 muss die Angerkreuzung komplett
gesperrt werden. Um eine Anbindung zwischen Domplatz und Anger zu ermöglichen, wird eine Pendel-Bahn zwischen Marktstraße und Pilse eingesetzt.

Während der gesamten Bauarbeiten (18.07 – 30.08.2020) sind auch die Bus-Linien 9, 51 und 60 anzupassen. Die Bus-Linie 9 verkehrt in beiden
Richtungen über Busbahnhof und die Bus-Linien 51 und 60 werden geteilt.

Die Bus-Linie 51 verkehrt zwischen Urbicher Kreuz und Busbahnhof sowie
zwischen Thomaseck und Möbisburg/Molsdorf über Hochheim. Die Bus-Linie 60 fährt zwischen Urbicher Kreuz und Busbahnhof sowie zwischen Thomaseck und Möbisburg über Rhoda.