Jetzt sind sie da. Wer will, kann in Maja Lundes „Die letzten ihrer Art“ oder in Fitzeks „Das Paket“ schmökern – und zwar in der Stadt- und Regionalbibliothek am Domplatz. Dort haben die 55 Exemplare der Herbstlese 2019 ihren Platz gefunden – natürlich handsigniert und mit den besten Wünschen der Autoren. Doch auch die Frühlingslese 2020 steht schon in den Startlöchern. Monika Rettig, Programmchefin der Erfurter Herbstlese, indes ist mehr als zufrieden. 15.800 Besucher zu 73 Lesungen sprechen für sich.  „Ein Highlight wurde gleich am Anfang mit einem Herbstlese-Extra gesetzt, nämlich mit dem Gespräch zwischen Robert Habeck und Steffen Mensching unter dem Titel ‚Poesie und Politik‘, ein Format, das wir gern zusammen mit dem Thüringer Schriftstellerverband fortführen wollen“, sagt sie.

SWE - Übergabe Herbstlese-Bücher
Sie sind da: in der Stadt- und Regionalbibliothek. Und alle 55 Exemplare haben eine Widmung wie das neue Buch von Dennis Scheck. Foto: Karina Heßland-Wissel

Die größten Publikumsmagneten waren – wen wunderts – die großen Schauspielernamen: angefangen mit Ulrich Tukur über Andrea Sawatzki bis hin zu Elena Uhlig, resümiert sie. Von den 73 Lesungen waren 34 ausverkauft, die Auslastung lag bei 80 Prozent. „Einmal sind wir umgezogen in einen größeren Raum wegen der großen Nachfrage, und zwar mit Rolf Seelmann-Eggebrecht“, erzählt sie.

Ausverkauft war auch die Lesung von Joachim Król im Atrium der Stadtwerke, der sich für sein Buch „Was wollen die denn hier? Deutsche Grenzerfahrungen“ mit Lucas Vogelsang ausgerechnet einen Co-Autor suchte, der erst Mitte der Achtziger Jahre geboren wurde. Für mich war es ein Abend ohne Überraschungen, denn bei mir entstand der Eindruck, dass hier wieder mal ein Buch für die geschrieben wurde, denen man die Zeit im Osten erklären muss. Was wohl Daniela Dahn dazu gesagt hätte?

23. Erfurter Herbstlese 2019
Dunja Hayali kam mit ihrem geliebten Vierbeiner, der sie auf die Bühne anhimmelte, das Publikum indes vom Atrium der Stadtwerke Erfurt aus. Eindringlich appellierte sie an ihre Zuhörer: „Haymatland. Wie wollen wir zusammenleben?“ heißt ihr neues Buch, vier Stunden lang faszinierte sie ihr Publikum. Foto: Holger John

„Aber auch Persönlichkeiten wie Dunja Hayali zogen sehr viele Besucher, die mit ihren vier Stunden nahe an die legendären Rekorde von Harry Rowohlt herankam, was die Länge der Veranstaltung angeht“, so Monika Rettig.

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Stammgäste wie Axel Hacke und Stefan Schwarz füllten wieder mühelos das Große Haus im Erfurter Theater, und auch Ulrich Wickert zog sein Publikum – wie immer – in seinen Bahn. Sein Anspruch „Identifiziert euch – Warum wir ein neues Heimatgefühl brauchen“ stieß im vollbesetzten Stadtwerke-Atrium auf offene Ohren.

23. Erfurter Herbstlese 2019
Ulrich Wickert hatte seinen Spaß auch auf der Bühne – mit Moderatorin Ulrike Greim, Rundfunkbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Foto: Holger John

Das „Meet & Greet“ mit dem Ausnahmejournalisten und Wahlfranzosen bei den Stadtwerken Erfurt war ein voller Erfolg. Denn nicht nur auf der großen Bühne wusste Wickert zu überzeugen, auch im Kleinen entspannen sich angeregte Diskussionen.

Im Krimibereich wussten vor allem Andreas Pflüger, die Isländerin Yrsa Sigurdardóttir und Heinrich Steinfest zu überzeugen – und natürlich Sebastian Fitzek, der dieses Mal im Rahmen seiner Deutschland-Tournee in der Erfurter Messe auftrat: vor etwa 3.000 Menschen … und wie immer war die Signierschlange mörderisch lang und Fitzek nahm sich Zeit für jeden einzelnen Fan.

Doch den Fitzek-Ruhm will Monika Rettig nicht für die Herbstlese einheimsen. „Hier waren wir Kooperationspartner, haben aber gut die Hälfte der Karten verkauft“, freut sie sich.

SWE - Übergabe Herbstlese-Bücher
Freuen sich, dass die Bücher der Herbstlese 2019 jetzt auch in der Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt am Domplatz ausgeliehen werden können: Sabine Hölterhoff von den Stadtwerken Erfurt, Katja Kemnitz und Monika Rettig vom Herbstlese-Verein und Annamaria Benita Lippold und Dr. Eberhard Kusber von der Bibliothek. Foto: Karina Heßland-Wissel.

Eins meiner ganz persönlichen Highlights war „Der Politische Salon“ mit Philipp Ruch vom „Zentrum für politische Schönheit“, mit einem wirklich, wirklich guten Moderator: Henry Bernhard vom Deutschlandfunk, der all die Fragen stellte, die wirklich weh tun und trotzdem souverän von Philipp Ruch beantwortet wurden.

Natürlich füllte auch Dennis Scheck, dieses Mal außergewöhnlich milde gestimmt, wieder die heiligen Hallen. Wie immer setzte er ganz klassisch den letzten großen Glanzpunkt der Herbstlese. Seine Buchempfehlungen waren heiß begehrt. Doch nach der Herbstlese ist vor der Frühlingslese, und auch sie wartet mit einem anspruchsvollen Programm auf.

 

Ausblick auf die Frühlingslese 2020

Matthias Brandt & Jens Thomas sorgen am 1. Februar im Theater Erfurt für Furore. Der großartige Schauspieler liest aus seinem Roman „Blackbird“, der von Liebe, Freundschaft, Komik und nicht zuletzt der Tragik des Lebens erzählt. Die musikalische Begleitung übernimmt Jens Thomas.

Schami_Rafik © Arne Wesenberg_hf1

Am 4. März ist Rafik Schami im Atrium der Stadtwerke Erfurt zu Gast.

Er stellt sein Buch „Die geheime Mission des Kardinals“ vor, in dem ein italienischer Kardinal auf geheimer Mission in Syrien ermordet wird – ein spannender und farbenprächtiger Roman um Glaube, Liebe, Aberglaube und Mord.

 

Gauck, Joachim © J. Denzel u S. Kugler_frei (1)

„Toleranz – einfach schwer“ ist das Thema, dem sich Joachim Gauck am 3. April im Atrium der Stadtwerke Erfurt widmet.

Er stellt die großen Fragen, die uns alle berühren (sollten): Was muss die Gesellschaft, was sollte der Einzelne tolerieren und wo liegen die Grenzen der Toleranz? Welche gemeinsamen Regeln müssen bei aller Verschiedenheit gelten? Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Katholischen Forum statt.

Das sind nur drei von zahlreichen großartigen Veranstaltungen, die den Erfurter Frühling beleben, egal, wie das Wetter ist. Mehr dazu gibt es direkt bei der Herbstlese.