Ohne Zweifel gehört sie  zu den erfolgreichsten Thüringer Schriftstellern: Antje Babendererde. 18  Bücher hat sie geschrieben – und veröffentlicht. Doch der Weg dahin war ziemlich steinig. Am 8. Juli liest sie um 16 Uhr im Kultur:Haus Dacheröden aus ihrem neuesten Roman „Sommer der blauen Wünsche“ – eine Geschichte so wild und rau wie der Sehnsuchtsort Schottland.

Noch immer hat sie einige Manuskripte in der Schublade, die niemand haben wollte. „Wenn ich sie heute durchblättere, weiß ich, warum das damals niemand haben wollte. Ich war einfach noch nicht so weit“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. „Über Jahre habe ich keinen Verlag gefunden, die Manuskripte kamen immer wieder postwendend zurück. Das hat mich manchmal richtig gelähmt und ich dachte mir, das muss doch einen Grund haben“, erzählt die heute 57-Jährige. Dennoch hat sie nicht aufgegeben. Zum Glück, würden ihre vorrangig jugendlichen Fans sagen.

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Blick auf den Schreibtisch von Antje Babendererde.

Dass ihr erstes Buch doch veröffentlicht wurde, verdankt sie einem Zufall. Kurzentschlossen schickte sie ihren Roman an die Kulturredaktion der OTZ und bot ihn als Fortsetzungsroman an, das war Anfang der Neunziger. „Dort sagte man mir, das machen wir eigentlich nicht, aber die Geschichte ist so gut, wir probieren es einfach.“ Und so erschien der „Der Pfahlschnitzer“ in Fortsetzungen in der Ostthüringischen Zeitung. „Es gab viele positive Reaktionen, das hat mir Mut gemacht“, erzählt sie. Doch zwischen zwei Buchdeckeln erschien der Roman um Hanna und Greg und die Geschichte der Makah-Indianer erst 1999. Ein kleiner Ein-Frau-Verlag war so mutig und erkannte das Potenzial in Antje Babendererde. Dafür ist die Thüringerin noch heute dankbar.

Auch wenn die sieben, acht Romanentwürfe aus den Neunzigern es nicht aus der Schublade schaffen. Für Antje Babendererde haben sie auch etwas Gutes. „Für mich sind sie ein Quell der Inspiration. Die Texte mögen nicht so gut sein, aber die Ideen haben es in sich. Sie sind meine geheime Schatzkiste“, sagt sie lachend. „Wenn ich bei einem Buch nicht weiterkomme, nehme ich sie zur Hand und blättere darin. Das ist unglaublich inspirierend“, sagt sie. Woher sie ihre positive Weltsicht hat? Vielleicht kommt sie daher, weil sie nicht nur über die amerikanischen Ureinwohner geschrieben, sondern sie auch besucht, ihr Leben kennengelernt hat, und das nicht nur einmal. „Das ändert den Blick auf das eigene Leben, man sieht Selbstverständlichkeiten plötzlich mit ganz anderen Augen“, sagt sie. 1994 flog sie das erste Mal in die USA und besuchte verschiedene Reservate.

Pine Ridge 2012
2012: Zu Besuch in Pine Ridge.

„Ich war überrascht, wie viel aus meiner Fantasie sich in der Wirklichkeit wiederfand“, sagt sie. Von da an ließ es sie nicht mehr los, das Leben in den Reservaten mit all seiner Melancholie und seiner manchmal lähmenden Hoffnungslosigkeit, aber auch mit dem starken Überlebenswillen der indigenen Bevölkerung. Viele Stämme hat sie besucht, nicht nur für eine kurze Stippvisite. Teilweise war sie über mehrere Monate dort und lebte mit ihnen als eine von vielen.

Antje & Alice Moose Fcatory Mai 2018
Antje Babendererde und Alice Moose im Mai 2018.

Seit 2003 hat die Schriftstellerin, die als Keramikerin begann, mit ARENA einen festen Verlag. Anfangs war ich eine Schnellschreiberin und schrieb und schrieb, ohne allzu viel an den Leser zu denken, sagt sie von sich und erklärt: „Ich möchte die Wahrheit erzählen und keine Märchen, aber ich möchte meine Leser am Ende auch mit Hoffnung aus der Lektüre entlassen.“ Manchmal sei das schwer zu bewerkstelligen.

Scenic South Dakota
Szene in South Dakota.

Einmal, nachdem sie mehrere Monate in South Dakota bei den Lakota in Pine Ridge zu Gast war, war es so schlimm, dass sie die Indianerthemen zur Seite legte, um sich selbst zu schützen. „Viele Kinder und Jugendliche hielten damals die Perspektivlosigkeit nicht aus und setzten ihrem Leben ein Ende, das war beängstigend.“

Sagabon-Gänserösten Moose Fcatory 2018
Gänserösten im Reservat.
Robert Looks Twice (rechts) Kyle College Powwow 2014
Pine Ridge.
Badlands
Blick in die Badlands in South Dakota.
Ice-break am Moose River Kanada 2018
Das Eis taut: Antje Babendererde am Moose River.

In der Zeit danach entstanden zwei Bücher, die in Thüringen spielen: „Isegrim“ erschien 2013 und handelt von Jola, die in ihrem Wald zwei Fremde entdeckt: einen jungen Mann und eine Wölfin, die offenbar auf dem angrenzenden ehemaligen Truppenübungsplatz ihre Jungen aufzieht. „Der Kuss des Raben“ wurde 2016 erstmals aufgelegt. Darin geht es um die siebzehnjährige Mila, die auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit ist. Ein Stipendium verschlägt sie nach Moorstein, ins Thüringer Schiefergebirge, wo sie aufs Gymnasium geht.

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Doch Antje Babendererde wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht zu ihrem großen Thema zurückfinden würde. 2018 folgte „Wie die Sonne in der Nacht“. Darin folgt Mara den Spuren der Pueblo-Indianer in New Mexiko.

Buchmesse Arena-Verlag
Antje Babendererde mit „Schneetänzer“ zur Frankfurter Buchmesse.

„Schneetänzer“ erschien im September 2019.  Darin macht sich Jacob in den Norden Kanadas auf, um das Geheimnis seiner Herkunft zu lüften.

Mehr zu Antje Babendererde und ihren Büchern gibt es hier.