„Jetzt gibt es kein Zurück. Zwei Drittel der Million haben wir fast zusammen. Unsere Schranken stehen auf Go“, Tely Büchner, Vorstand der Genossenschaft KulturQuartier Schauspielhaus, ist optimistisch. Seit Juni 2018 gab es noch mal einen richtigen Sprung. Damals verkündeten die Initiatoren des KulturQuartiers im ehemaligen Schauspielhaus, dass für 400.000 Euro Anteile gezeichnet sind. „Jetzt sind wir bei 657.000“, freut sie sich und hält stolz das gelbe Diagramm in die Höhe, das einen starken Anstieg zeigt. „Anfang 2021 wollen wir eröffnen“, sagt Tely Büchner. Bauvoranfragen laufen bereits, und auch mit den Banken ist der Verein in intensiven Gesprächen.

„Stück für Stück kämpfen wir uns ins Haus. Bisher können wir ja nur kleine Teile des Hauses nutzen“, fasst Thomas Schmidt es zusammen, Architekt der ersten Kulturgenossenschaft Thüringens. Und auch für 2019 hat er schon Pläne. So soll die Bühne im großen Saal geöffnet werden. „Bisher können wir nur die Vorbühne nutzen, das allerdings ist nur ein Provisorium“, sagt er. Zuvor aber sind bauliche Veränderungen notwendig.

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Energiegeladen: Tely Büchner (von links), Susanne Putzmann, Ronald Troué, Ester Ambrosino, Thomas Schmidt, und Carsten Rose (vorn).

Auch Ester Ambrosino vom Erfurter Tanztheater steht schon in den Startlöchern. „Ich bin total überzeugt vom Schauspielhaus“. Und ein Lächeln zieht über ihr Gesicht, als sie von ihren engagierten Plänen erzählt. Am liebsten, so die Tänzerin und Choreographin, würde sie schon den Abschluss des Kindertanztheaters im Juni im KulturQuartier Schauspielhaus feiern, „Romeo und Julia“ durch die Räume tanzen lassen und „Reprise“, ein Tanztheater um die künstlerischen, politischen und sozialen Umwälzungen der 1920er-Jahre, das sie selbst konzipiert und choreographiert hat, ins ehemalige Erfurter Schauspielhaus holen. Wer bis dahin nicht warten kann, sollte sich den 22. März 2019 vormerken. Im Rahmen der „Woche der Demokratie“ wird die Kooperation des Tanztheaters Erfurt e.V., des DNT Weimar und des Theaters Erfurt im Theater Erfurt zu sehen sein.

Am 12. Mai lädt die Chefin der Tanz-Company zu „Abdruck“, einer szenischen Kollage aus Tanz, Musik und Projektionen. Die Tänzer nehmen das Publikum mit auf eine Reise durchs KulturQuartier Schauspielhaus. Dort treffen sie auf drei illustre Persönlichkeiten, die scheinbar aus der Zeit gefallen sind…

Auch wenn das Haus noch auf seinen Umbau wartet, von Dornröschenschlaf kann keine Rede sein. „Wir haben viel Energie, die gilt es zu kanalisieren“, so Carsten Rose von Radio Frei und verweist auf das unglaubliche Engagement der letzten Jahre und Monate. „Alles komplett ehrenamtlich, der Wahnsinn.“

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Endlich wieder Leben im alten Schauspielhaus.

„Vor allem im Hinterland und bei der Logistik gerade bei Veranstaltungen, schließlich muss ja auch jemand an der Bar stehen und für Nachschub sorgen“, pflichtet ihm Tely Büchner frei und freut sich: „Endlich sind wir in der Breite der Bevölkerung angekommen. Wir kriegen regelmäßig E-Mails von Leuten, die uns ehrenamtlich unterstützen wollen, auch wenn sie keine Anteile zeichnen können. Das ist fantastisch. Inzwischen haben wir sieben Arbeitsgruppen, und die haben ordentlich zu tun“, sagt sie.

Enorm ist auch das Interesse an den Führungen. Im Winter kamen teilweise um die 100 Leute. Die nächsten Rundgänge sind

  • Samstag, den 2. März
  • Samstag, den 6. April

jeweils um 16 Uhr und 17 Uhr.

Wie immer sollten warme Sachen und eine Taschenlampe mitgebracht werden.

Wie in den Vorjahren öffnet die Genossenschaft die Türen und setzt auf die bewährten drei Formate: Preview, „Herrlicher Sommer in Rosé“ und StadtRaumBoxen. Letztere waren schon immer das Entré ins Haus. Früher – zu alten Schauspielzeiten – kündeten die Boxen von den Veranstaltungen, heute zeigen Künstler hier ihre Sicht auf die Welt. „Auch hier öffnen wir uns, holen überregionale Künstler“, freut sich Tely Büchner.  Die Preview läuft vom 18. bis 22. September. Und auch hier hat sie einige Überraschungen parat: Eröffnet wird sie beispielsweise von der Autorin, Moderatorin und Journalistin Christine Westermann.

Auch Susanne Putzmann und Roland Troué vom Kinoklub Erfurt können es kaum erwarten, ins KulturQuartier Schauspielhaus einzuziehen. „Wir haben ja nur 60 Plätze und platzen aus allen Nähten“, so Ronald Troué. „Wir können uns regelmäßig ganz schön was anhören, wenn die Leute nicht mehr reinkommen. Das ist auf der einen Seite schön, macht aber das spontane Kinoerlebnis unmöglich“, erzählt er von seinen Nöten.

Bis es soweit ist, plant der Kinoklub ein besonderes Format im Kulturquartier und will vermehrt auch junge Leute anlocken. „Wir wollen Filme im Schauspielhaus zeigen, die es nicht ins Kino geschafft haben“, sagt Susanne Putzmann, die nicht nur das Filmtheater über alles liebt, sondern auch seit Jahren die Plakate und Flyer fürs Kulturquartier gestaltet. „Primetime“ soll die Reihe heißen, Ende April geht es los. Immer mittwochs, aller zwei Wochen.

Hier gibt es mehr Informationen zum KulturQuartier Schauspielhaus.

Fotos Schauspielhaus: Boris Hajduković