Es ist nachmittags in der Waidschule am Muldenweg. Wenn andere längst auf dem Nachhauseweg sind, drehen Elisa und David noch mal richtig auf. Die beiden FSJler betreuen eine Theatergruppe an der Schule und geben sich richtig Mühe. David ist über Pais Deutschland nach Erfurt gekommen. Der Texaner ist 22 Jahre und hat schon einen Wirtschaftsabschluss in der Tasche. Zusammen sind die beiden ein gutes Team.

Jede Stunde wird minutiös vorbereitet, sogar die Aufwärmspiele, die immer für viel Spaß sorgen. Davon merken die Kinder allerdings nichts, sie haben einfach nur einen tollen Nachmittag und spielen Theater.

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David kommt eigentlich aus Texas. In Erfurt macht er ein FSJ.

Schritt für Schritt nähern sie sich an ihr Theaterstück an, das werden sie in den nächsten Monaten nämlich selbst schreiben. Und irgendwie geht es dabei um ihre Traumberufe. Wie sie das finden, frage ich sie: „Sehr cool“, sagt Lilly und flitzt an mir vorbei, dicht gefolgt von Angelina. Beide wollen nichts verpassen. Und schon geht es los. „Hi ha ho“ schreien die 5.-Klässler und machen alle die gleichen Verrenkungen. `Was ist das denn?‘, frage ich mich. Elisa hat Mitleid und erklärt es mir: „Das macht die Kinder locker und gleichzeitig trainieren sie ihre Stimme.“ Denn plötzlich unverständliche Silben durchs Klassenzimmer zu brüllen und das auch noch vor Publikum ist gar nicht so ohne. „Für Schauspieler ist das Alltag, wir üben noch“, sagt sie und grinst. Elisa ist 20, sie hat das Abitur in der Tasche und will später irgendwas mit Biologie machen.

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Elisa ist 20, will später Biologie studieren. Jetzt macht sie erst mal ein FSJ bei der Freien evangelischen Gemeinschaft.

Jetzt aber will sie erst mal selbst noch ein bisschen wachsen und etwas für andere tun. Das FSJ bei der Freien evangelischen Gemeinschaft (FeG) in Erfurt ist da genau das Richtige, findet sie. Denn das Projekt in der Waidschule am Muldenweg ist nicht das Einzige, das sie betreuen. „Sie helfen im Unterricht, unterstützen Arbeitsgemeinschaften, gründen Theatergruppen, sogar Koch- und Kaligraphie-AG’s gab es schon, und das alles an unterschiedlichen Schulen“, erzählt Ulrike Stelzer von der FeG. Die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie hat das Projekt vor zwei Jahren angestoßen, um Schulen und Schüler in Zeiten knapper Ressourcen zu unterstützen.

Seit August 2016 beschäftigen die Freie evangelische Gemeinschaft und die Landeskirchliche Gemeinschaft Erfurt gemeinsam drei junge Menschen für jeweils ein Freiwilliges Soziales Jahr. Sie arbeiten tagsüber in Schulen, die Bedarf angemeldet haben, und helfen darüber hinaus an Wochenenden und abends in der Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinden mit.

„Unsere Motivation ist der diakonische Gedanke, als Christen in unsere Gesellschaft hineinzuwirken und Heranwachsende in ihrer Persönlichkeitsbildung zu fördern. Das Jugendalter ist eine Zeit der Veränderung, des Wandels und der Reifung. Sie bietet Risiken und Chancen und verläuft temperaments- und typbedingt sehr unterschiedlich. Daher möchten wir gerne gerade für diese Altersgruppe Angebote machen und Schulen in ihrem Erziehungsauftrag in Zeiten großer Herausforderungen unterstützen“, sagt Ulrike Stelzer, die sich freut, heute bei der Theater AG dabei sein zu können.

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Ulrike Stelzer freut sich, dass das Theaterprojekt so gut ankommt.

Das Projekt ist inzwischen gut etabliert. Möglich ist vieles, so Ulrike Stelzer, angefangen von Sport aller Art bis hin zu musischen und kreativen Angeboten. Kurse zur Konfliktbewältigung und die Ausbildung von Schülermentoren, der Umgang mit Medien, Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe. Interessierte Lehrer können sich gern bei der Freien evangelischen Gemeinde melden.

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Plötzlich verwandelt sich der Linienbus in eine Achterbahn und nimmt alle mit auf eine rasante Fahrt.

Währenddessen sind die 5.-Klässler schon mitten im Spiel. Gerade sitzen sie in einem Bus und fahren durch Erfurt. Blasius gibt mit viel Gebrumm den Busfahrer, die andern schauen durch die Seitenfenster, bis der Kontrolleur kommt und einen Schwarzfahrer enttarnt. Irgendwie will jeder mal der schwarze Passagier sein. Zwischendurch verwandelt sich der Bus, der nicht mehr als eine Stuhlreihe ist, in eine Achterbahn, die diverse halsbrecherische Loopings durchläuft. Bei den Berg- und Talfahrten schüttelt es die Kinder so richtig durch….und dann ist der Theaternachmittag schon wieder vorbei.

Jetzt für 21 x 1000 bewerben

Jeden Donnerstag machen sich die Kinder auf eine Reise in die Welt der Fantasie. Das Projekt wurde in diesem Jahr im Rahmen der Förderung 20 x 1000 mit 1000 Euro unterstützt. Auch 2019 fördern die Stadtwerke Erfurt wieder tolle Projekte, die Erfurt ein bisschen bunter machen. Bis 2021 jährlich mit einem BUGA-Zuschlag. Bis zur BUGA wird zusätzlich zu den 20 Vorhaben aus Bildung, Kultur und Sport und Soziales ein weiteres unterstützt, das den BUGA-Gedanken trägt. Bis zum 31. Dezember 2018 können sich Vereine, Kindergärten, Schulen und Initiativen noch bewerben.

Mehr unter www.stadtwerke-erfurt.de/21×1000

Fotos: Karina Heßland-Wissel