Auf der Tartanbahn der Arena ist wildes Gewusel. An der Westtribüne sind dunkle Gestalten unterwegs. Keiner trägt Sportkleidung, geschweige denn Sportschuhe. Vielmehr sind Jeans und dicke Jacken an der Tagesordnung, sogar Mützen. Was machen die denn da? „Das sind die Jungs von ‚Schloss Einstein‘, hier wird heute gedreht“, meint William Claußnitzer, der gerade mit dem Radlader vorbeikommt.

Der Veranstaltungstechniker der Arena ist dabei, einen großen weißen Transporter zu entladen. Willi – so nennen ihn alle – fährt die Technik für das Drehteam heran. Und da kommt ordentlich was zusammen. Wenn er damit durch ist, entfernt er die ganzen Werbebanner an den Banden des Steigerwaldstadions. „Denn Werbung geht gar nicht beim Film, nicht mal von den Stadtwerken“, meint er.

Ein Mann mit langem Zopf und in Flecktarnhose kommt vorbei, dreht sich um die eigene Achse und studiert die Ränge. Er hat nur Augen für die Arena. „Nicht schlecht die Kulisse“, sagt er und steuert auf den Rest der Truppe zu. Das will was heißen, denn Uwe Müller – er ist der Chef-Beleuchter bei „Schloss Einstein“ – hat schon einiges gesehen. Und in der Tat erschlägt einen der Anblick, wenn man auf der Tartanbahn steht. Hier unten kommt man sich vor wie eine Ameise. Das geht auch Florian Gradmann nicht anders. Er ist der 1. Aufnahmeleiter der beliebten Kinder- und Jugendserie und der große Organisierer.

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Florian Gradmann ist der 1. Aufnahmeleiter von „Schloss Einstein“.  Er koordiniert die Drehpläne – unter anderem.

„Der Cast ist ziemlich groß. Um die 30 Darsteller sind zu koordinieren, fast alle Kinder und Jugendliche“, erzählt er. Pro Tag sind im Schnitt um die 10, 12 Kinderdarsteller am Set, manchmal auch mehr. Dabei sind immer auch die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes einzuhalten. Denn länger als fünf Stunden dürfen die Kinder nicht am Set sein. Die tägliche Drehzeit liegt bei drei Stunden. „Also bauen wir die Drehzeiten der Erwachsenen oft um die Kinder herum“, sagt er. Meist sitzt er im Produktionsbüro und koordiniert die Drehpläne, die Tages-Dispositionen. Letztere geben Auskunft darüber, welcher Darsteller wann und wo welche Szene dreht, wann er in der Maske und in der Anprobe ist. Auch die Abholzeiten von zu Hause oder von der Schule sind genau aufgeführt. Alle Informationen fließen bei ihm zusammen. Manchmal werden Szenen gestrichen, andere erweitert oder andere Darsteller übernehmen den Text, wenn jemand krank wird. Da gilt es, zu improvisieren und Ersatz zu beschaffen. Denn die Tagesdispo wird einen Tag vorher erstellt. Meist erfahren die Darsteller erst am Vorabend – inzwischen per WhatsApp –  wie der Tagesplan genau aussieht, wann sie abgeholt werden. Wie soll man da nur den Überblick behalten? Für Florian Gradmann ist das kein Problem und für die Darsteller gibt es Hilfen. „Wenn dir jemand eine Szene in die Hand drückt und das Skript hat eine andere Farbe, erst weiß, dann gelb, dann rosa, dann weißt du gleich, dass es inhaltliche Änderungen gibt“, sagt er.

Minutiös ist alles durchgeplant, denn Film ist ein teures Geschäft. Da kostet jede Verspätung Geld. Allein könnte Florian Gradmann das nie schaffen. „Da kann man noch so gut organisiert sein“, sagt er. Deshalb gibt es die Aufnahmeleitung-Assistenz, Johanna Lentsch, die viel zuarbeitet und in engem Kontakt zu den Darstellern steht, sowie den zweiten Aufnahmeleiter, Sascha Esche. Er ist direkt am Set, macht die Ansagen über Funk, gibt an, wann gedreht wird, wann Ruhe herrschen sollte. Er achtet darauf, dass die Zeiten eingehalten werden, dass die Infrastruktur passt. Gerade, wenn es einen Motivwechsel gibt, kann es hektisch werden, vor allem, wenn der andere Drehort am Ende der Stadt liegt. So wie heute. Erst Dreh in der Schule, also im Kindermedienzentrum, jetzt im Steigerwaldstadion. „Da ist eine Stunde Zeit für den Motivwechsel ganz schön knapp, aber zum Glück kennen wir die Schleichwege durch die Stadt. Das ist in der Rushhour Gold wert“, meint er grinsend. „Alles klar?“, fragt ihn Florian Gradmann.  Er ist heute selbst vor Ort.

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Florian Gradmann vor Ort im Steigerwaldstadion.

Auch für ihn ist der Dreh im Stadion etwas ganz Besonderes, nicht nur wegen des Ameisengefühls. Mit dem erneuten Wechsel des Internats – das alte Schauspielhaus steht ja leider nicht mehr zur Verfügung – musste auch die Geschichte des Einstein-Gymnasiums umgeschrieben werden. So geht es in der 22. Staffel vorrangig um die Rangeleien zwischen den Sportlern des Sportgymnasiums und den „eher bunten, fröhlichen Einsteinern“, wie es Gabriele Frauendorf, die Kostümbildnerin von Schloss Einstein, ausdrücken würde. Denn natürlich spiegeln sich die unterschiedlichen Persönlichkeiten auch im Kostüm wider. Ab April sind die neuen Folgen, in denen alle unter einem Dach leben, lieben und streiten, bei KiKA zu sehen. „Dementsprechend werden vermehrt Szenen in der Leichtathletikhalle des Sportgymnasiums, aber auch in der  Arena gedreht, zum einen, um ein Gefühl von Leistungssport zu vermitteln, aber auch, um den Schulbetrieb am Sportgymnasium nicht zu stören“, erklärt Florian Gradmann und schaut erwartungsvoll zu den Flutlichtmasten.

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„Wenn das Flutlicht extra für uns eingeschaltet wird, kann ich mir das natürlich nicht entgehen lassen“, grinst er und hat schon wieder das Telefon am Ohr, weil irgendwo ein Problem aufgetreten ist. Ruhig und bestimmt spricht er ins Handy. Wie es scheint, ist der Fall gelöst. Denn er legt auf und lächelt kurz. Er ist die Ruhe selbst. Wenn andere längst durchdrehen, arbeitet er schon an der Lösung, ganz konzentriert. „Das Organisieren liegt mir halt“, meint der 32-Jährige bescheiden. Eigentlich kommt er aus Berlin. Nur am Wochenende ist er zu Hause bei der Familie. Seit 2006 arbeitet er beim Film. „Angefangen hab ich als Praktikant, als Set-Runner, half im Fahrdienst, im Produktionsbüro und fuhr die Wohnmobile der Stars ans Set. Ein klasse Einstiegsjob, wenn man hinter den Kulissen arbeiten will. Denn innerhalb kürzester Zeit kriegt man einen super Einblick ins Filmgeschäft“, sagt er und verrät, dass circa 50 Prozent der Leute in der Produktion Quereinsteiger sind. Scheinbar lässt einen das  Film-Fieber nicht mehr los, wenn es einen einmal gepackt hat… Später studierte er Film und Fernsehproduktion an der Filmuniversität Babelsberg. Anschließend wollte er sich für ein Regiestudium bewerben, stellte aber beim Dreh seines Bewerbungsfilmes selbstkritisch fest, dass seine Qualitäten wohl doch woanders liegen: „Die Organisation war top, aber die Regie…, naja.“

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Letzte Abstimmung vor dem Dreh: Luca Jung mit Regisseur Nils Dettmann.

Da kommt Stibbe, der Kinderbetreuer von „Schloss Einstein“ um die Ecke. Im Schlepptau hat er Luca Jung. Der 16-Jährige spielt Timo, einen Staffelläufer.

Und auch Schauspielcoach Heike Thiem-Schneider ist vor Ort. Gemeinsam mit Schauspielerin Gitta Schweighöfer, sie gibt die Internatsleiterin (übrigens die Mutter von Matthias Schweighöfer), gehen sie die Szene noch mal durch.

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Auch Gitta Schweighöfer ist im Stadion, sie spielt ab der 22. Staffel die Internatsleiterin von „Schloss Einstein“.

Mit dabei ist auch Frederic Heidorn, der ab der 22. Staffel den engagierten Sportkoordinator mimt. Immer wieder ertönt das Lachen von Gitta Schweighöfer, in das die anderen beiden einstimmen. Was soll das nun wieder? Erzählen die sich etwa Witze, während die anderen warten? Wir werden es erfahren….

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Die Proben sind durch, jetzt wird Luca verkabelt.

Luca ist bereits in voller Sportmontur, wärmt sich auf, flitzt über die Bahn. Es sieht ganz nach echtem Staffellauf aus. In Wahrheit, verrät er mir später, ist das Sprinten gar nicht sein Ding. Er trainiert lieber im Fitness-Studio. Mit der Schule ist er dieses Jahr fertig geworden. Er kommt aus der Merseburger Ecke, kam extra für „Schloss Einstein“ nach Thüringen. Die 22. Schloss-Einstein-Staffel ist seine erste, sagt er.

Danach will er erst mal ein FSJ machen, am liebsten auf dem Bau, erzählt er. Und dann wird es auch schon ernst. „Sorry, ich brauch den Luca jetzt mal“. Höflich verneigt sich ein junger Mann in dickem grauem Pullover, neigt das dunkle Haupt und bittet um Entschuldigung. Es ist der Regisseur…Nils Dettmann.

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Frederic Heidorn (links) spielt in der 22. Staffel den Sportkoordinator. Hier mit Luca Jung und Regisseur Nils Dettmann.

CASTINGAUFRUF für die 23. Staffel von Schloss Einstein

Die erfolgreiche deutsche Kinder- und Jugendserie Schloss Einstein sucht im Januar wieder nach neuen Schauspieltalenten. Wer Lust hat, vor der Kamera sein Talent zu zeigen, kann gern zum Casting kommen. Vielleicht könnt ihr ja auch zusätzlich jonglieren, tanzen oder Beat-Boxen – die Caster lassen sich gern überraschen.

Gecastet wird im Studiopark KinderMedienzentrum in Erfurt zu folgenden Wochenend-Terminen:

11. bis 13. Januar 2019
17. bis 20. Januar 2019
25. bis 27. Januar 2019.

Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren sind herzlich eingeladen, sich anzumelden oder spontan vorbeizukommen. Voraussetzung ist das Einverständnis der Eltern. Alle Infos, Unterlagen und die Onlineanmeldung sind ab dem 12. Dezember 2018 unter Schloss Einstein zu finden.

 

Fotos: Jacob Schröter