Juliane Koch liebt die Extreme: Stahlhelm und Langhaarfrisur, Geländemarsch und Klavierunterricht, Soldatin und Blumenkönigin. All das sind Seiten der aktuellen egapark-Hoheit, die im wirklichen Leben noch ca. anderthalb Jahre ihren Dienst als Berufssoldatin versieht.

Die 29-Jährige schafft den Spagat zwischen festlichem Abendkleid und dem Kampfanzug der Bundeswehr. In beiden Bereichen ist sie Profi. Das bescheinigt ihr auch Ivonne Stampf, Marketing- und Vertriebsleiterin des egaparks und mit ‚Ihrer Majestät‘ auf Tourismusmessen und bei PR-Terminen unterwegs: „Sobald Juliane ihr Kleid trägt, macht sie ihren Job mit hoher Professionalität. Sie ist inhaltlich vorbereitet,  geht auf Menschen zu, unterhält und begeistert.“

Julianes Jahr als Repräsentantin für Erfurt und den egapark ist wie im Flug vergangen. Die Suche nach einer neuen Blumenkönigin hat begonnen. Wir haben uns für Filmaufnahmen im Gartenpark verabredet, um für die Nachfolge zu werben. Juliane kommt mir strahlend entgegen, in Jeans, karierter Bluse und bequemen Mokassins. Vor unserem Termin hat sie noch schnell zu Hause den Tarnanzug der Bundeswehr, ihre offizielle Dienstkleidung seit mehr als 10 Jahren, gegen Zivilsachen getauscht – kurzer Stopp zwischen ihrem Arbeitsort Bad Frankenhausen und der Wohnung in Erfurt.

Kennengelernt haben wir uns zu den Thüringer Gartentagen im heißen 2016-er August. Juliane war eine von fünf Kandidatinnen. Souverän beantwortete sie Fragen zu Erfurt oder dem egapark und wusste sich auch mit einem flotten Spruch zu helfen, wenn sie keine Antwort parat hatte.  Profi eben. Mit Charme und Offenheit überzeugte sie die Jury und konnte auch viel Sympathie beim Publikum gewinnen. Über ihren Sieg freute sich die Blondine auf der Bühne spontan und temperamentvoll. Interviews mit dem MDR,  Fotos für die Medien, eine kurzes Interview für Facebook, ein Bild mit den anderen Bewerberinnen – nach dem einstündigen Kräftemessen der Kandidatinnen absolvierte Juliane I. all das mit einem Lächeln und einnehmend freundlich trotz drückender Hitze.

Zwei Tage nach der Wahl dann waren wir im Modeatelier Friske und Lübcke verabredet. Hier entsteht die Königinnengarderobe. Hier finden alle Nähfans Inspiration: wertvolle Stoffe, maßgeschneiderte Festkleider und eigene Kreationen im Business-Style.  Die Erfurter Modedesignerinnen Alexandra Friske und Ina Lübcke stimmen Farbe und Schnitt immer individuell auf die Trägerin ab. Nach der Amtszeit wandert das Kleid dann in den Schrank der ehemaligen Hoheit als Gala- oder Abendgarderobe. Der Termin im Modeatelier ist ein Positiverlebnis für Juliane. Das Kleid wird ein Traum in Türkis: Schlichter, elegant fallender Georgetterock in A-Linie, schmales Brokatoberteil, abgerundet durch eine kurze Bolerojacke. Die passenden Schuhe hatte Juliane bereits durch Zufall vor der Wahl im Schrank.

Königinnen im Dienst der Blumen

Das maßgeschneiderte Modell begleitete sie ein ganzes Jahr: zur Internationalen Tourismusbörse, zu den Grünen Tagen, zum Cerealien- oder Gartenmarkt auf dem Domplatz, zur Kürbisausstellung und  zu Presseterminen des egaparks wie die Schulgarteneröffnung, der Spezialmarkt „du und dein garten“ das Sommerfest der kleinen Gärtner oder der Tag der Dahlie.

„20 bis 50 Termine kommen in einem Königinnenjahr schon zusammen, je nach Engagement und zeitlichen Möglichkeiten der Hoheiten“, erzählt Ivonne Stampf, die den Einsatz von Juliane seitens des egaparks koordiniert. Dazu gehören auch Einladungen andere Majestäten wie z. B. der Rosenkönigin von Bad Langensalza. Manchmal muss der private Urlaub für Auftritte in der Woche genommen werden, viele Termine sind aber samstags oder sonntags.

Der Arbeitgeber hat ein gehöriges Wort mitzusprechen.  Ohne dessen Zustimmung – im besten Falle Unterstützung – ist ein solcher Terminmarathon nicht zu schaffen. Darüber musste sich Juliane keine Sorgen machen. Die Vorgesetzten bei der Bundeswehr sahen und ergriffen die Chance, mit Oberfeldwebel Juliane Koch, Blumenkönigin, für die Truppe zu werben. Ein Fotoshooting und ein Blogbeitrag setzten sie ins rechte Licht: Trommeln gehört zum Handwerk.

Juliane hat bei der Bundeswehr die Meisterausbildung im Personalwesen gemacht. Es ist die letzte Etappe in Uniform. Der Weg dahin führte nach der Lehre als Bürokauffrau über die Stationen Grundausbildung,  Dienst als Fallschirmspringer, Einsatz in Afghanistan, Abschluss als geprüfte Personalfachkauffrau und Personalarbeit bei der Bundeswehr nun zu einer Perspektive für die Zukunft. Wenn sie die Uniform ablegt und ins zivile Berufsleben einsteigt, würde Juliane gern Personalarbeit im öffentlichen Dienst machen. Momentan berät sie noch Bewerber für die Soldatenlaufbahn.

Zwölf Monate nach der Wahl und um ein Jahr Erfahrungen reicher erzählt die gebürtige Nordhäuserin über ihre Zeit als egapark-Majestät, in der wir uns immer wieder bei Presseterminen oder Veranstaltungen begegnet sind.

Wie ist sie auf die Idee gekommen, den egapark und Erfurt zu repräsentieren?

Den Anstoß hat  Julianes Mutter gegeben, die das verborgene Potential ihrer Tochter hervorholen wollte. Als Kind war die sportliche Endzwanzigerin ungestüm und wild, bestimmte gern beim Spielen. Die Entscheidung für den Soldatenberuf lag charakterlich also nicht ganz so fern und kam auch für die Eltern nicht unerwartet.  Das  typische Weibliche – Ausstrahlung und Eleganz – ist die zweite Seite der Juliane Koch und vielleicht in den vergangenen Jahren etwas in den Hintergrund gerückt. Ihr Mann, wie sie Zeitsoldat, war erstaunt über ihre Bewerbung als Blumenkönigin. „Er hat es mir schon zugetraut, dachte aber, dass mir die Zeit dafür fehlt. Die Weiterbildung, der gerade begonnene Klavierunterricht, er machte sich einfach Sorgen, dass es zu viel wird“, erklärt sie seine anfängliche Skepsis. Jetzt fährt er zu Veranstaltungen mit, wenn es der Dienstplan zulässt. Kennengelernt haben sie sich nicht bei der Bundeswehr, sondern bereits vor ihrer Berufswahl in Nordhausen. Beeinflusst hat aber keiner den anderen, eine Karriere in Uniform anzustreben. Es hat eben gepasst.

Mich interessiert: Was hat Juliane aus dem Königinnenjahr für sich mitgenommen?

Die Sympathie, die ihr entgegen schlug und die vielen Gespräche, in denen sie andere mit ihrer Begeisterung für Erfurt und den egapark anstecken konnte, so wie mit ihrem herzhaften Lachen. Gern würde sie ein weiteres Jahr im Amt bleiben, aber das war so von beiden Seiten nicht geplant.

Was möchte sie den Bewerberinnen um das royale Amt mit auf den Weg geben? Juliane fasst es kurz zusammen: „ Man überzeugt andere nur, wenn man selbst für eine Sache brennt.  Das gilt für die Königin, wie auch im wahren Leben.“

Bis 31. Juli 2017 könnten sich die Kandidatinnen bewerben, die egapark-Blumenkönigin für ein Jahr werden wollen. Alle Informationen dazu hier…

Im Video erzählt Juliane über ihr Jahr als egapark-Majestät und gibt Tipps für die Nachfolgerin.