Am Mittwoch ist’s soweit: 75 Stadtwerker, 47 Männer und 28 Frauen, machen sich auf den Weg durch die Erfurter Innenstadt. Mitarbeiter der Stadtwirtschaft sind dabei, Busfahrer, Kollegen aus der IT und viele mehr. Auch die EVAG ist mit einem Umleitungsverkehr vorbereitet, wenn die Innenstadt sich mit insgesamt rund 9000 Läufern füllt. Der Thüringer Unternehmenslauf geht in die neunte Runde – wir haben mit Nadja Busse, der Chefin des Laufspektakels, gesprochen.

Es ist noch bedeckt an diesem Frühsommertag. Kurz vor dem großen Ansturm auf die Läden der Innenstadt, vor der Mittagspause vieler Büros, Kanzleien und Praxen, sitze ich mit einer jungen Frau in einem Café. Zusammen beobachten wir das bunte Treiben zwischen Markständen und Domstufen. In wenigen Tagen, am 7. Juni, wird um diese Uhrzeit schon eine Armada an Helfern Absperrgitter, Zelte und Sitzgelegenheiten in Position gerückt haben, um den vielen Gästen einen unvergesslichen Abend zu bescheren: Er könnte so schön sein – wenn ich doch nur ein bisschen sportlicher wäre, denke ich. Wobei – eigentlich fehlt es nur an Ausdauer.

Nadja Busse lacht: „Ob sportlich oder unsportlich ist völlig egal – man kann die Strecke auch gerne spazieren“. Sie muss es wissen. Die Elxlebenerin ist zwar nicht meine Personal-Trainerin, dafür aber die Chefin der größten Laufveranstaltung der Erfurter Innenstadt: Sie organisiert den Thüringer Unternehmenslauf „RUN!“.

„Wir haben vor acht Jahren mit 1600 Läufern begonnen – in der Zwischenzeit kommen viele Unternehmen jedes Jahr wieder, mit immer größeren Teams“, erzählt Nadja Busse. Über 8300 Läufer gingen letztes Jahr auf die rund fünf Kilometer lange Strecke durch die Altstadt – von Lauf-Anfängern, die das Flair der engen Gassen und Straßencafés zusammen mit ihren Kollegen genießen wollten bis hin zu Profis, die gewissermaßen als rasende Aushängeschilder für ihr Unternehmen starten. Ob es da zu Kollisionen kommt? Busse beruhigt: „Wir haben eine neue Startsituation: Es gibt vier Bereiche, in die man sich freiwillig einordnen kann. Sogar Nordic Walker dürfen mitlaufen. Sie starten ganz zum Schluss.“ Auch die Stadtwerke Erfurt sind wieder mit einem Team dabei – rund 50 Mitarbeiter der verschiedensten Unternehmensbereiche der SWE werden in ihre Laufschuhe schlüpfen.

Das SWE RUN!-Team 2016
Das letztjährige RUN!-Team der SWE

Überhaupt steht beim Thüringer Unternehmenslauf ein Miteinander im Vordergrund – egal, ob zwischen den Kollegen im Laufteam oder Läufergruppen untereinander. Auch Prominenz steht Pate: „Der Thüringer Spitzensport ist bei uns als Laufpate vertreten – unter anderem das Volleyballteam Schwarz Weiß Erfurt“, sagt Nadja Busse, die sich besonders darüber freut, mit Gunda Niemann-Stirnemann die Eisschnelläuferin des Jahrhunderts als Schirmherrin dabei zu haben. Die eigentlichen Stars sind aber immer noch die einzelnen Läufer. Dieses Jahr startet die Strecke zum ersten Mal vom Theaterplatz. „Damit wollen wir den  Domplatz als Veranstaltungsort entlasten. So wird das Starterfeld bereits im Vorfeld  entzerrt“, so Busse. Allerdings: Engstellen und Tücken der Strecke durch Erfurt lassen sich nicht so einfach ausgleichen. Gerade bei Regen (dem ungeliebten, aber stetig wiederkehrenden Laufpaten) neigt das Kopfsteinpflaster dazu, sich in einen spiegelglatten Straßenbelag zu verwandeln. Manche Kurve wird da besonders tückisch, weiß Nadja, die privat lieber im Grünen läuft, aus Erfahrung. Gerade für eine so große Veranstaltung sei jedoch das Flair der Altstadt durch Nichts zu ersetzen.

Was anfangs als Antwort von Busses Arbeitgeber, der Marketingagentur K-concept, auf die Frankfurter „J.P. Morgan Corporate Challenge“ entwickelt wurde, organisiert die studierte Betriebswirtin heute mit einem eigenen Unternehmen – der RUN Thüringer Unternehmenslauf GmbH. Unterstützt wird sie bei der Veranstaltung durch ein zwischenzeitlich 130-köpfiges Team, das neben der Koordination der Streckensperrung für den Aufbau des Domplatzes und die Einweisung der rund 80 Streckenposten zuständig ist.

„Die schönsten Momente sind die glücklichen, stolzen und manchmal auch erleichterten Gesichter im Ziel“, ergänzt Busse. Deswegen werden neben den schnellsten Teams auch die originellsten Trikots, die berufserfahrenste Mannschaft und die teilnehmerstärksten Teams geehrt – frei nach dem olympischen Motto „Dabei sein ist Alles“. Ob ich im Hinblick auf dieses Motto teilnehmen werde, fragt sie mich lächelnd zum Abschied – und tatsächlich entscheide ich mich im Büro heute für die Treppe statt für den Aufzug. Olympia, ich komme. Bald.

P.S.: Auch die EVAG ist vorbereitet. Die Stadtbahn-Linien 3 und 6 werden von 19 bis 20:30 Uhr über Lutherkirche/SWE umgeleitet. Die Stadtbahn-Linie 6 wird vom Rieth bis zur Haltestelle Klinikum verlängert. Die Stadtbahn-Linie 4 verkehrt bereits ab 18.15 Uhr aus beiden Richtungen kommend im Umleitungsverkehr über Brühler Garten und Betriebshof Lutherkirche/SWE zum Wiesenhügel bzw. zum Hauptfriedhof/Bindersleben.Die Stadtbus-Linie 90 wird eingekürzt und dreht von Marbach kommend über die Bergstraße, Blumenstraße, Albrechtstraße, Gutenbergstraße zur Ersatzhaltestelle Blumenstraße (Ecke Bergstraße). Fahrgäste werden über die Anzeigentafeln, Durchsagen und natürlich über Twitter informiert: @EVAG_direkt.

Text und Foto: Benedikt Pototzky