Eine große Schüssel voll kleiner rotbäckiger Äpfel  steht auf dem Tisch der Küche in der Erfurter „Friedrich Schiller Gemeinschaftsschule“. Die Herbstfrüchte sind nicht makellos und viel kleiner als die polierten Exemplare im Supermarkt. Sie stammen aus dem eigenen Garten und haben damit eine prima Ökobilanz, erzählt Schulsozialarbeiterin  Birgit Lumme.  Warum sie das sagt, erklärt sich am Ende der Kochstunde. Eine große Tüte Kokosraspeln, eine Packung Mehl, Zucker, Butter, Semmelbrösel, Eier  und  Gewürze  wie Vanilleschote oder Zimt künden vom bevorstehenden Backen.  Am heutigen Nachmittag werkeln Schüler der  7. Klasse in drei Gruppen in der Küche. Auf der Arbeitsfläche in der Raummitte wird der Teig für einen Apfelstrudel geknetet. Die Mädchen wechseln an den Herd, der Teig ruht. Man sieht, sie backen heute nicht zum ersten Mal, die Handgriffe sitzen und die Arbeit läuft organisiert.

In der Weihnachtsbäckerei

Auf der Arbeitsfläche an der Türseite  verrühren drei Schüler die Zutaten für Rosmarinplätzchen mit einem Handmixer.  Nach dem Blick in die Schüssel herrscht Ratlosigkeit – krümelig, klumpig…..Zu Hause, wenn die Mütter oder Omas backen, sieht das immer so einfach aus – rrrrr macht der Mixer und schon ist alles zu einem geschmeidigen Teig vermengt.  Lehrerin Beate Wichmann und Schulsozialarbeiterin Birgit Lumme haben das Geschehen im Blick und geben kleine Tipps, lassen die Schüler aber selbständig arbeiten.  Etwas Milch könnte noch an den Plätzchenteig, hilft Beate Wichmann, aber dosiert, sonst wird die Masse zu klebrig für das Ausstechen.  Und mit der Hand kneten….Am Ende hat der Ausstechteig eine optimale Konsistenz.

An der gegenüberliegenden Tischseite mischen drei Jungs Kokosraspeln mit Eiweiß und Apfelmus, verteilen die Masse mit kleinen Löffeln auf Oblaten. Das klappt nicht sofort, die Kokosraspelhäufchen zerfallen, so werden keine Plätzchen daraus. Eine Runde nacharbeiten und formen, dann kommt das Blech sofort in den vorgeheizten Ofen.  Nach 10 Minuten werden die duftenden leicht gebräunten Kokosmakronen aus dem Ofen geholt. Sehr appetitlich.

Traditionell lecker

Das Team Apfelstrudel hat zuerst in einer Pfanne Semmelbrösel in Butter geröstet. Die Äpfel sind bereits geschält und in mundgerechte Würfel geschnitten,  Birgit Lumme hat die Schülerinnen unterstützt und die Äpfel strudelgerecht vorbereitet.  Jetzt kneten die drei Mädchen den Teig noch einmal kräftig durch und rollen ihn ganz dünn aus. Professionelle Strudelbäcker schwingen  den Teig minutenlang in der Luft, so wird er besonders dünn. Das müssen die Nachwuchsbäcker nicht machen, dazu bedarf es jahrelanger Erfahrung. Der Teig wird ausgerollt und mit der Semmelbrösel-Butter-Apfelmischung belegt. Nun wird aufgerollt. Das nächste Problem – der belegte Teil klebt an der Arbeitsplatte. Ein untergelegtes Backpapier, Handtuch o. ä. hätte das verhindert. Zu spät, viele Hände helfen, den bereits gefüllten und geformten Strudel auf eine Lage Backpapier zu schieben, ohne dass der Teig reißt und die Füllung heraus quillt. Kein Problem, es ist eine Schul- und keine Sterneküche, die Nachwuchsbäcker sollen lernen….

Das Rezept für den Strudel stammt original aus der Bäckerei des Schlosses Schönbrunn in Wien, Beate Wichmann hat es von einer Reise mitgebracht.  Weiter geht es: Die Kokosmakronen sind goldbraun gebacken, die Rosmarinplätzchen werden ausgestochen und sind nach 10 Minuten Backzeit ebenfalls fertig.  Im Nachbarraum wird der Tisch gedeckt, der Duft aus der Schulküche macht Appetit…

Lohn des Küchenfleißes

Die zwölf 7.Klässler haben die Küche aufgeräumt, während die letzten Rosmarin-Plätzchen backen. Gemeinsam mit Beate Wichmann und Birgit Lumme werden alle selbst gebackenen Dinge probiert. Beate Wichmann erzählt beim Verkosten: „Kochen und Backen ist Teil unseres Schulalltages. Eines der Mädchen, die heute den Apfelstrudel gebacken haben, wird unsere Schule  beim Schülerkochpokal  in einem der Teams vertreten. Zwei Mannschaften mit insgesamt acht Teilnehmern stellen wir. Das war heute schon ein erstes Training.“

Der Thüringer Schülerkochpokal – als Wettstreit der Erdgasköche gestartet – ist den Kinderschuhen längst entwachsen und feiert sein nunmehr 20. Jubiläum! Die Teams beschäftigen sich in diesem Jahr mit regionalen Genüssen – ‚Dem Apfel und Honig alle Ähre – Heimatkost in aller Munde‘ ist das Thema. Mädchen und Jungen der Klassenstufen 5 bis 12 aus Thüringer Schulen kreieren in Vierer-Teams ein Drei-Gang-Menü. Im Fokus stehen die Herkunft, Herstellung und Verwertung von Apfel, Honig und Getreide sowie weiteren Produkten aus der Heimatregion. Wichtig ist bei der Zutatenauswahl auch die Ökobilanz, darauf gibt es ebenfalls eine Bewertung. Äpfel von hier können echt punkten…

Kochen ist Begeisterung, ohne die geht es nicht. Besondere Gerichte entstehen, wenn diese auf  Experimentier- und Entdeckungsfreude, Teamgeist und handwerkliches Geschick trifft. Das müssen die Starter zum Kochpokal lernen und dafür natürlich üben, üben, üben…. Das notwendige Management, damit in 120 Minuten ein fertiges Menü die Juroren– allesamt Kochprofis – überzeugt, ist ebenfalls Übungssache. Die ersten zwei Runden des Schülerpokals sind bis April zu bewältigen, die Besten qualifizieren sich dann für das Landesfinale im Mai in Gera.

Das liegt für die vier Starter der Schillerschule noch in weiter Ferne. Jetzt werden erst einmal die Weihnachtsplätzchen und der Apfelstrudel aufgegessen und dann ist Schulschluss.

Fotos: Karina Heßland