Bücher, Bücher, Bücher – zwei Tage lang verwandelt sich die Multifunktionsarena in ein Schlaraffenland für große und kleine Bücherfreunde. 30 Thüringer Verlage sind heute und auch morgen vor Ort. Von 10 bis 18 Uhr zeigen sie im Rahmen der Thüringer Buchtage eine Auswahl ihrer Publikationen. Wir waren vor Ort und haben uns mal umgeschaut.

Wir sind ganz perplex, als wir in den Parksaal der Arena kommen: Kinderbücher, Lyrik, Krimis, Wanderführer, Heimatgeschichte. Wer hätte gedacht, dass Thüringen so viele Verlage hat? Viele kleine Anbieter sind vor Ort. Schnell kommt man mit ihnen ins Gespräch.

Alle haben ihre neuesten, aber auch ihre Lieblingsbücher mit dabei. Sehr herzlich und persönlich präsentieren sie ihr Programm. Heinrich Jung aus Zella-Mehlis zum Beispiel.

Arena Erfurt - Thüringer Buchtage
Im Programm bei Heinrich Jung: Erfurt im Luftkrieg von Helmut Wolf

Er verlegt hauptsächlich heimatgeschichtliche und militärhistorische Werke. Damit hat der Geschichtslehrer vor 26 Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht. Auch eine Trilogie zur Geschichte des Thüringer Königreiches, das 531 in einer großen Schlacht gegen die Franken unterging, hat der Heinrich-Jung-Verlag im Programm. „Eigentlich verlegen wir ja keine Romane, aber die Leseprobe war so spannend. Wir konnten gar nicht anders“, verrät die Ehefrau, mit der ich länger plaudere. Der Erstling „Im Tal der weißen Pferde“ von Herbert Schida ist inzwischen leider vergriffen. Aber die Nachfolgebände („Das Blut der weißen Pferde“ und „Die Spur der weißen Pferde“) um die Familie des Gaugrafen Herwald sind in sich abgeschlossene Romane, die man ganz gut auch ohne den Pilot lesen kann.

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Ingrid Maikath mit ihren ganz persönlichen Bestsellern: Einem Roman über Eike von Repgow und den Sachsenspiegel (Speculum) und einer fantastischen Mär über einen Unsterblichen.

Auch Ingrid Maikath vom amicus-Verlag ist mit Herzblut bei der Sache. Sie brennt für ihre Bücher und ihre Autoren und zeigt mir gleich „Speculum“.  Der Roman um Eike von Repgow und den berühmten Sachsenspiegel, den er auf der Burg Falkenstein im Harz geschrieben haben soll, ist gerade erschienen. „Oder mögen Sie es lieber fantastisch? Dann müssen Sie unbedingt das hier lesen“, sagt sie und hält mir „Kenneth  MacKenzie“ von Gaby Birckigt unter die Nase – die Geschichte eines Unsterblichen, der schon seit mehr als 350 Jahren durch Schottland wandelt  und eigentlich eher wie ein Teenie aussieht, mit seinen roten Dreadlocks und den dicken Sommersprossen im Gesicht.

Arena Erfurt - Thüringer Buchtage
Jasmin mit Steffen Knabe und Malbergs „Rebell auf der Karlsschule“ – einem Klassiker der Knabe Jugendbücherei um den jungen Schiller.

Steffen Knabe setzt auf Reprints beliebter Klassiker aus Knabes Jugendbücherei und erfüllt damit das Vermächtnis seines Urgroßvaters, der den Knabe-Verlag Weimar 1932 eröffnete. 2006 hat der 38-Jährige den alten Verlag neu gegründet. Von Haus aus ist er eigentlich Medientechniker und fühlte sich eher den neuen Medien verbunden, arbeitete beim Radio und für Filmproduktionen. „Ursprünglich wollte ich die alten Bücher als Hörbucher rausgeben, altes und neues verknüpfen. Dann habe ich mich aber doch entschieden, die alten Geschichten neu aufzulegen, damit Eltern und Großeltern, die sie von früher kennen, sie ihren Kindern und Enkeln schenken können“, erzählt er. Intensiv hat er sich mit der Kunst des Buchdrucks auseinandergesetzt, zeigt mir die Illustrationen in Schwarz-Weiß, die noch Raum für Interpretationen lassen, das Cover mit Halbleinen, das hochwertige Papier. „Ich möchte, dass die Leute fühlen, dass sie ein Buch in der Hand haben“, erzählt der junge Mann. Folierte Einbände gibt es bei ihm nicht.

Auch Neuerscheinungen hat er im Programm, z. B. „Das Mädchen im Schloss“. Darin lassen Annette Seemann und Ulrike Müller die Kindheit von Herzogin Anna Amalia lebendig werden. Kindgerecht zeigen sie, dass das Leben einer Märchenprinzessin ganz anders ist, als es sich die kleinen Mädchen heute vorstellen: steif und voller Regeln, ohne Platz für persönliche Freiräume. Ein Buch für Mädchen ab 10 Jahren.

Arena Erfurt - Thüringer Buchtage
Darf bei sowas natürlich nicht fehlen: Ulf Annel live.

Aber auch Bücher rund um fremde Kulturen und Mythologien werden in Thüringen verlegt, z. B. beim Arun-Verlag im kleinen Uhlstädt-Kirchhasel. Wer sich für die in Märchen versteckten Botschaften interessiert, erfährt in dem Buch „Es war einmal“ von Kenny Klein viel über die Urversionen der heute geschönten und kindgerecht aufbereiteten Geschichten.

Arena Erfurt - Thüringer Buchtage
Stefanie Handke und Benjamin Preiß von arts+science mit zwei sehr unterschiedlichen Publikationen.

Ganz zum Schluss, ich bin schon fast auf dem Weg nach draußen, fällt mein Blick auf einen eher spartanisch ausgestatteten Stand. Sandro Melle und Michael Burkert haben sich auf E-Book- und Verlagsdienstleistungen spezialisiert. Sie bereiten Bücher für Verlage als E-Books auf und bringen sie weltweit in über 1000 Onlineshops.

Zeilenwert GmbH heißt ihr Unternehmen aus Rudolstadt, das auf Qualitätsarbeit setzt. Denn ein hochwertiges E-Book ist nicht auf Knopfdruck produziert. „Wir testen jedes Buch auf den verschiedenen Readern, Tablets und in den Apps“, erzählt Sandro Melle.

Auch für freie Autoren, die bisher keinen Verlag gefunden haben, kann das eine Möglichkeit sein, ihr Buch zu veröffentlichen. Prinzipiell braucht man nur zwei ISBN-Nummern, erklärt Michael Burkert. Dann allerdings muss man persönlich sehr viel Kraft und Zeit in den Vertrieb investieren, da das Verlagsnetzwerk fehlt. Wer es trotzdem versuchen möchte, kann sich gern bei den beiden melden.

Vermehrt erstellen sie auch Broschüren für Unternehmen im E-Book-Format. Das hat den Vorteil, dass man sie ganz leicht auf Webseiten integrieren oder an Kunden versenden kann. „Sogar Audio- und Videodateien können wir integrieren. Damit kann man Inhalte ganz anders und mit allen Sinnen erleben“, sagt Sandro Melle.

Fazit:

Die Thüringer Buchtage (bereits zum 6. Mal vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen organisiert)  lohnen sich. Ich komme nächstes Jahr gern wieder. In angenehmer Atmosphäre kann man mit Thüringer Verlegern plaudern, in Büchern stöbern, Lesungen lauschen und die Kreativität des Illumaten testen: eine Maschine, die auf Wunsch ganz persönliche Zeichnungen ausspuckt, mit Witz und Ironie und ganz viel Liebe fürs Detail.

Arena Erfurt - Thüringer Buchtage
Auf Knopfdruck spuckt der Illumat auf Wunsch der Besucher besondere Zeichnungen aus.

Natürlich sitzen hinter dem Vorhang Grafiker aus Fleisch und Blut. Heute sind es Rosa Linke, Lydia Keßner und Stefan Kowalczyk.

Arena Erfurt - Thüringer Buchtage
Voll automatisiert 🙂

Als Studenten haben sie den Illumat einst ins Leben gerufen. Inzwischen sind sie nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Niederlande, Polen, Italien oder der Schweiz unterwegs.

Arena Erfurt - Thüringer Buchtage

Rosa Linke, Lydia Keßner und Stefan Kowalczyk schwingen die Stifte hinter den Kulissen.

Natürlich kann auch ich die Thüringer Buchtage nicht ohne ein Buch verlassen. Die Auswahl ist groß, die Entscheidung schwer: Ich nehme für meinen Sohn „Die große Unordnung“, ein wunderbar illustriertes Kinderbuch von Nadja Rümelin, mit nach Hause. Ob wir es gleich heute Abend lesen? Besser ja, Weihnachten ist noch sooo lange hin.

Fotos: Karina Heßland