Einmal hinter die Kulissen eines Wasserwerks schauen, dass durften diese Woche die neuen Auszubildenden der Stadtwerke Erfurt. Aber nicht nur das, auf der traditionellen „Azubirundfahrt“ werden alle Unternehmensbereiche von den Auszubildenden erkundet. Als neue Praktikantin durfte auch ich dieses Jahr dabei sein.

Zwar fängt der Tag für mich als Praktikantin der Unternehmenskommunikation heute etwas früher an und ich bin noch ein bisschen müde, als ich in die Straßenbahn einsteige. Mit jedem Halt werde ich aber wacher und freue mich auf den spannenden Tag, der vor mir liegt. Denn ich fahre auf direktem Weg zum Betriebsgelände der Erfurter Verkehrsbetriebe AG. Hier treffe ich mich mit Udo Bauer, dem Abteilungsleiter für Personalmarketing und –entwicklung der Stadtwerke Erfurt Gruppe und seinen neuen 33 Auszubildenden.

Gemeinsam mit den letzten Azubis stoße ich zur Gruppe. Obwohl wir etwas spät dran sind, drückt Herr Bauer nochmal ein Auge zu und der von mir erwartete Rüffel für Zuspätkommer bleibt aus. Dann startet auch schon unsere Reise durch die mir manchmal noch etwas undurchsichtige Welt der Stadtwerke Erfurt.

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Da wir uns auf dem Betriebsgelände der Erfurter Verkehrsbetriebe AG befinden, beginnt unsere Tour genau hier. Genauer gesagt in den Werkstätten. Zuerst führt uns Siegfried Schöße, ein Mitarbeiter der EVAG in die Buswerkstatt. Danach folgen wir Dirk Groß in die gegenüberliegende Straßenbahnwerkstatt. Maria, die eine Ausbildung zur Industriekauffrau begonnen hat, ist sichtlich begeistert und als ich sie während der Tour frage, was ihr besonders gefallen hat, antwortet sie: „Das alles mal zu sehen, mit der Straßenbahn und so, das ist schon was Besonderes.“ Aber auch Tim, der als angehende Fachkraft im Fahrbetrieb die EVAG noch etwas näher kennenlernen wird, hat die Besichtigung der Bus- und Straßenbahnwerkstätten sehr gut gefallen.

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Als wir die EVAG verlassen, fängt es zwar an zu regnen, aber trotz des schlechten Wetters sind alle Azubis gut gelaunt und gespannt auf unsere nächste Station: das Wasserwerk Möbisburg. Am Wasserwerk haben sich die Regenwolken verzogen und wir werden von den Mitarbeitern der ThüWa ThüringenWasser GmbH durch die Anlage geführt. Bevor wir die Steuerungsanlage des Werks, mit der die Trinkwasserversorgung von 230.000 Menschen gemanagt wird, besichtigen, dürfen wir noch einen Blick in einen von 15 Tiefbrunnen und den Tiefbehälter werfen. Die Azubis sind genauso beeindruckt wie ich. „Mal zu sehen, wo das Wasser, was in Erfurt aus dem Hahn fließt, herkommt, ist schon ganz schön spannend“, höre ich Susann sagen, als wir den Tiefbehälter wieder verlassen.

 

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Auf dem Betriebshof der SWE Stadtwirtschaft GmbH dürfen die Azubis dann sogar in die großen Fahrzeuge der Stadtwirtschaft steigen und auf dem Fahrersitz schon mal Probe sitzen. Auch beim nächsten Stopp geht es den meisten der Auszubildenden genauso wie mir. Das erste Mal in meinem Leben betrete ich ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk. Auch unsere nächste Station, das Umspannwerk Erfurt-Ost, ist wieder eine Premiere für mich und die Azubis. Besonders Patrick, der eine Ausbildung zum Elektroniker Für Betriebstechnik begonnen hat, hört begeistert zu und stellt im Umspannwerk viele Fragen.

Danach fahren wir weiter auf die Deponie Erfurt-Schwerborn. Ronald König, Leiter der Deponie, steigt zu uns in den Bus und die Rundfahrt beginnt. Genauso wie ich sind auch die Azubis über das „grüne Aussehen“ der Mülldeponie verblüfft. Denn anders als erwartet, wachsen hier viele Bäume und ich sehe erst einmal nichts von den erwarteten Müllbergen, nur einen großen grasgrünen Hügel.

Ronald König erklärt, warum die Deponie einer so großen Stadt wie Erfurt überhaupt nicht so aussieht, wie man sich das eigentlich vorstellt. Das Zauberwort lautet nämlich Renaturierung. Das bedeutet, dass auf der Deponie Erfurt-Schwerborn verschiedene landschaftspflegerische Maßnahmen durchgeführt werden wie beispielsweise die Bepflanzung oder die Überwachung und Rückhaltung des Sickerwassers. Durch die großzügige Hecken- und Baumbepflanzung wird sogar ein neuer Lebensraum für Hasen, Igel, Rehe und Vögel geschaffen.

Wir fahren an den großen Hügeln, unter denen sich der Müll befindet, vorbei und folgen der Betonstraße zur Wertstoffsortieranlage und Bioabfallverwertungsanlage. Ronald König erklärt, wie aus dem Bioabfall der Stadt Erfurt Kompost für die Landwirtschaft gewonnen wird. Beim Blick aus dem Fenster bemerken die Azubis, dass sich zwischen den ganzen Bioabfällen ziemlich viel Plastik befindet. „Ja, das ist ein ziemlich großes Problem“, gesteht Ronald König und weist die Azubis auf die Kampagne „Mach´s ohne Plastetüte“ und die Müllsheriffs hin, die die Erfurter Bürger für das Plastikproblem im Biomüll sensibilisieren sollen.

Von der Deponie Erfurt-Schwerborn brechen wir auf in Richtung SWE Stöberhaus. Obwohl ich das Second-Hand-Möbelhaus der Stadtwerke schon ein paar Mal besucht habe, gibt es auch für mich etwas Neues zu entdecken. Denn diesmal betrete ich das Gebäude nicht wie üblich durch den Vordereingang, sondern Robert Schilling, Leiter des Stöberhauses, begrüßt uns am Lagereingang und gewährt mir und den Auszubildenden einen kleinen Einblick hinter die Kulissen des Stöberhauses. Nach einer kleinen Führung durch Lager und Verkaufsräume des Möbelhandels dürfen wir noch ein bisschen auf eigene Faust stöbern, bevor uns der Bus nach diesem ereignisreichen Tag wieder Richtung EVAG fährt. Eins ist am Ende des Tages klar: Das frühe Aufstehen hat sich diesmal gelohnt!

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Text und Fotos: Theresa Brehm