Schön sind sie nicht. Ihre Haut ist ein wenig runzelig, violette Triebe lassen sie aussehen wie kleine Igel. Fragende Blicke in den Korb: „ Kann man die essen?“  Kann man, mit etwas Geduld und einem gut vorbereiteten Beet wird der Genuss noch viel größer.  Wenn die Kartoffelsetzlinge  ungefähr vier Monate im Beet gut umsorgt verbringen, wird aus einer Pflanzkartoffel eine ganz Hand voll guter Geschmack.

Wie man Kartoffeln legt und pflegt, wann sie geerntet werden können und noch viel mehr Gärtnerwissens nahmen die Kinder aus der Barfüßerschule und dem Kindergarten Hochheim  aus ihrer ersten Stunde im nagelneuen egapark-Schulgarten mit.  Nachdem die geplante Eröffnung am 1. April im Schnee versank, entschädigte der 15. April 2016 zum Schulgartenstart mit richtigem Gärtnerwetter. „Ab ins Beet!“ – das Motto des gemeinsam mit den Stadtwerken Erfurt dem Genossenschaftsverbund realisierten Projektes ist auch auf den nagelneuen, tannengrünen Schürzen der Kinder zu lesen.  Elf  Hochbeete werden das gesamte Gartenjahr über vom Gärtnernachwuchs aus zwei Kindergärten, zwei Grundschulen und einer Gesamtschule bepflanzt und gepflegt. Die Hochbeete befinden sich hinter dem Spielplatz am Bauernhaus. „Im Schulgartenunterricht wird das Interesse an der Natur geweckt. Nicht jede Schule hat Platz für einen eigenen Garten und hier im egapark  lässt sich das gut in das Angebot des Grünen Klassenzimmers integrieren“, erzählt Annett Glase, in den Stadtwerken Erfurt verantwortlich für die Schulkommunikation und beobachtet interessiert das emsige Treiben im Schulgarten. Auf allen Beeten wird gearbeitet.

Theresa, Wega und Agria – so heißen die Kartoffelsorten, die in diesem Jahr  als erste  Bewohner der neuen Beete im egapark-Schulgarten heranwachsen sollen. In der humusreichen Erde sind sie gut gebettet. Beim Blick in die Liste  der ca. 5500 Kartoffelsorten  liest von A wie Alma, L wie Linda bis Z wie Zora man bevorzugt Frauennamen.  Vielleicht ein Dankeschön an die Köchinnen, die aus den Kartoffelzüchtungen leckere Gerichte zaubern?

So weit ist es im egapark-Schulgarten noch nicht, die Setzlinge müssen erst einmal in die Erde. Sie benötigen drei bis vier Wochen, um starke und kräftige Keime zu entwickeln.

Im Abstand von jeweils einem Kinderfuß werden die Kartoffeln in die frisch gezogenen Reihen gelegt: „Kartoffel, Fuß, Kartoffel, Fuß – bis zum Ende der Reihe und die Keime nach oben. Immer zwei der kleinen Gärtner sind damit beschäftigt, unterstützt werden sie vom Team des Grünen Klassenzimmers im egapark und ihren Erzieherinnen bzw. Lehrerinnen. Extra für das Fach Schulgarten ausgebildete Lehrer gibt es übrigens nur in Thüringen.

Die Kartoffelleger haben ihre Arbeit getan, jetzt kommen die nächsten Fachleute an die Reihe. Mit  der Hacke decken die Kinder Erde über die Setzlinge.  Dann werden die Kartoffeln angehäufelt, das schützt sie vor den späten Maifrösten. Auf anderen Beeten werden mitgebrachte Kräuter- und Gemüsesamen in die Erde gebracht. Die dritte Gruppe greift sich die dunkelblauen Gießkannen, dieser Job ist begehrt, verspricht er doch neben dem Gärtnern noch weiteren Spaß – die Gelegenheit auf Wasserspiele.

Die Großen  aus der Barfüßerschule  bekommen einen Spezialauftrag, sie unterstützen egapark-Gärtnermeister Uwe Schachschal beim Pflanzen eines Tulpenbaumes auf der großen Wiese. Viele Schaufeln Erde sind dafür vonnöten, da muss richtig angepackt werden. Ganz viel Wasser wird an den Baum gegossen und auch für das Gruppenfoto mit Baum und Gärtnermeister ist noch  Zeit.

Im Schulgarten ist das Gärtnern jetzt auch beendet – alle  Beete sind ordentlich bestellt. Nun muss die Natur das Ihrige tun: Sonnenschein und ausreichend Regen liefern, damit Kartoffeln und die Aussaaten wachsen. Das dürfen auch die bunten Ideen der kleinen Gärtner im Schulgarten tun: Entstehen sollen ein Schmetterlingsbeet mit Nektarpflanzen, ein Fledermausbeet voller  nachts blühender und nektarreicher Blumen, die einen starken Duft verströmen, ein Kräuterbeet mit orientalischen und fremdländischen Gewächsen, ein Fröbelbeet, ein Beet mit Pflanzen für das gesunde Pausenbrot und eines mit Kräutern sowie Gewürzen der Bibel.

Kartoffelwissen

Die Qual der Wahl: 5500 Kartoffelsorten  in vier verschiedenen Reife- und zwei Eigenschaftsgruppen gibt es in unseren Landen. Geerntet werden kann von Ende Mai bis Mitte Oktober. Nicht alle Sorten kommen auf den Teller, einige Kartoffelsorten haben nur regionale Bedeutung, von anderen wird in Deutschland nur Pflanzgut für den Export erzeugt und wieder andere dienen der Herstellung von Stärke und Alkohol.

Die verbreitete Ansicht, dass Kartoffeln dick machen ist falsch. Kartoffeln enthalten etwa 87 kcal/100 g und damit etwa so viel wie Äpfel. Kartoffeln sind eine gute und billige Vitamin- und Mineralstoffquelle insbesondere dann, wenn man sie mit der Schale zubereitet. Ein Gericht mit Kartoffeln enthält etwa gleichviel B-Vitamine wie zwei Scheiben Vollkornbrot. Dazu noch Eisen und Spuren von Kupfer und anderen Mineralstoffen.